Steckt die Regierungspartei dahinter?

Indien: Erzbischof durfte nicht wählen

Aktualisiert am 30.11.2018  –  Lesedauer: 

Bhopal ‐ Versucht die indische hindu-nationalistische Regierungspartei neuerdings, Christen vom politischen Leben auszuschließen? Bei Wahlen durften jedenfalls kürzlich viele ihre Stimme nicht abgeben – darunter auch der Erzbischof von Bhopal.

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Der Erzbischof von Bhopal ist bei den Regionalwahlen im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh an der Stimmabgabe gehindert worden. Obwohl sie alle erforderlichen Dokumente dabei gehabt hätten, seien Leo Cornelio und hunderte weitere Christen aus den Wahllokalen verwiesen worden, berichtete UCANews am Donnerstag. Ihre Namen hätten nicht auf den Wählerlisten gestanden. "Ich bin mir sicher, dass mein Name absichtlich gestrichen wurde", sagte der Erzbischof gegenüber dem Internetportal. Die Wahlen fanden am Mittwoch statt.

"Das ist ungerecht und kein gutes Zeichen für die Demokratie", so Cornelio weiter. Vor allem führende Mitglieder der christlichen Community seien von der Streichung betroffen gewesen. Es sei eine "ernste Botschaft" an die Christen, dass sie nicht mehr in der Zählung auftauchten.

"Ein Trick" der Hindu-Partei

Auch die 78-jährige Christin Indira Iyengar konnte ihre Stimme nicht abgeben. Sie arbeitete früher in der Minderheitenkommission des Bundesstaats und ist Mitglied der indischen Kongresspartei, die als säkular gilt und sich auf die Prinzipien Mahatma Gandhis beruft. Iyengar vermutet, dass die Aktion "ein Trick" der in Madhya Pradesh regierenden hindu-nationalistischen "Bharatiya Janata Party" (BJP) ist, um die Anzahl der Stimmen für die Kongresspartei zu senken. Christen gelten in Indien traditionell als deren Anhänger. In einer Petition an die Wahlbehörde fordern christliche Anführer eine offizielle Untersuchung der "Verschwörung".

Im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh machen Christen 0,3 Prozent der Bevölkerung aus. 91 Prozent der 73 Millionen Einwohner sind Hindus. Die BJP, die auch die indische Regierung stellt, steht im Verdacht, landesweit extremistisch-nationalistische Hindu-Gruppen politisch zu unterstützen. Diese waren in der jüngeren Vergangenheit mehrfach für Übergriffe auf Christen verantwortlich. (mal)