Stefan Heße, der Erzbischof von Hamburg, spricht.
Bild: © katholisch.de
Auch Erzbistum Hamburg übergibt Akten

Heße: Wichtiger Schritt zu Aufarbeitung von Missbrauch

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals geht weiter: Nach dem Bistum Würzburg hat nun auch das Erzbistum Hamburg Akten an die Justiz weitergeleitet. Die Staatsanwaltschaften hatten ganz bestimmte Unterlagen gefordert.

Hamburg - 13.12.2018

Nach Veröffentlichung der Studie zum sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche hat das Erzbistum Hamburg Unterlagen an die Generalstaatsanwaltschaften in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ausgehändigt. In Schleswig seien zehn, in Rostock eine Personalakte übergeben worden, teilte die Erzdiözese am Donnerstag in Hamburg mit. Damit seien "sämtliche einschlägige Akten über mögliche Missbrauchsfälle durch Geistliche" zur Verfügung gestellt worden. Beide Behörden bestätigten auf Anfrage den Eingang der Unterlagen. Sie würden nun geprüft.

Die Generalstaatsanwaltschaften hatten nach Veröffentlichung der Studie die Akten angefordert, wie es hieß. Die Ermittler in Rostock hätten lediglich die Unterlagen verlangt, die nach dem 30. Juni 1985 geborene Kinder betreffen. Nur in diesen Fällen sei eine Strafverfolgung noch möglich, begründete eine Sprecherin. "Die Übergabe der Akten an die Staatsanwaltschaften ist ein weiterer wichtiger Schritt zur transparenten Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in unserer Kirche", sagte Hamburgs Erzbischof Stefan Heße.

33 Beschuldigte im Erzbistum Hamburg

Im Rahmen der Ende September von den deutschen Bischöfen vorgestellten Studie zum sexuellen Missbrauch waren in den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden worden. Auf dem Gebiet des heutigen Erzbistums Hamburg wurden 103 Betroffene und 33 beschuldigte Priester verzeichnet.

Die erst 1995 neu gegründete Erzdiözese umfasst die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und den Landesteil Mecklenburg. Sie hat nach eigenen Angaben auch der Generalstaatsanwaltschaft in Hamburg die Übergabe von Akten angeboten. Es gebe aber noch keine Rückmeldung.

Zuvor hatte bereits das Bistum Würzburg eine entsprechende Aktenübergabe angekündigt. Er habe darüber persönlich mit dem zuständigen Generalstaatsanwalt in Bamberg gesprochen, sagte Bischof Franz Jung am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion. Konkret sind laut Bistum bereits alle in der jüngsten Missbrauchsstudie erfassten Verdachtsfälle übergeben worden. Dazu kämen Fälle bis zurück zum Jahr 1970, dem längstmöglichen Verjährungszeitraum. (bod/KNA)