Mit Sorgfalt sticht Schwester Elke Schauer die Kapellchenplätzchen aus
Plätzchenbacken im Würzburger Schönstatt-Zentrum Marienhöhe

Weihnachten aus Teig

Adventszeit - Vorsichtig zieht Oberin Schwester Elke Schauer (52) eine knallgelbe Zitrone über die scharfe Küchenreibe. Die feinen Raspeln rieseln in eine weiße Plastikschüssel, in der die Zitronenstückchen mit Mehl, Zucker, Butter und Marzipan zu einer quietschenden Masse geknetet werden. Im Keller des Würzburger Schönstatt-Zentrums Marienhöhe werden die ersten Plätzchen gebacken.

Würzburg - 09.12.2012

"Der Teig ist zu weich", sagt Schwester Elke, wischt sich die Teigreste von den Fingerkuppen und bringt die Schüssel zum Erkalten in einen Nebenraum. Mit einer anderen Schüssel voller Teig kommt die diplomierte Pädagogin in die weißgekachelte Küche zurück. "Den habe ich gestern schon vorbereitet", sagt Schwester Elke und verstreut in großzügigen Schwüngen Mehl auf der metallenen Arbeitsfläche. Mit einem schweren Nudelholz formt sie die ausgebreitete Teigmasse zu einer glatten Fläche. "Daraus stechen wir jetzt unsere Kapellchen."

Sie meint damit die kleinen Kapellen, die als Nachbildung der Gründungskapelle in vielen Schönstatt-Zentren weltweit stehen. Die Umrisse der Schönstätter Gründungskapelle - Identifikationsmerkmal und Wallfahrtsort der Bewegung - finden sich in Schwester Elkes handflächengroßer Ausstechform wieder. "Die stammt ursprünglich aus Milwaukee in den USA", sagt die gebürtige Goldbacherin und legt die ausgestochenen Teig-Kapellchen mit ihren spitzen Dächern und kleinen Glockentürmen behutsam auf das Ofenblech. Damit das zurechtgefaltete Backpapier nicht verrutscht, hat sie es kurzerhand mit vier Flaschenöffnern beschwert.

Die "Rundumkraft" knetet

Ein paar Meter weiter knetet Karin Ungurean (42) im zweiten Küchenraum Stollenteig in ganz anderen Dimensionen. Die gelernte Fleischereifachverkäuferin und Hauswirtschafterin ist seit 1999 im Schönstatt-Zentrum angestellt. "Ich bin schon ein Urgestein des Hauses. Ich koche, backe, putze und helfe überall, wo ich gebraucht werde", sagt die großgewachsene Küchenfrau und vermengt mit ihren glänzenden Händen zerlassene Butter mit dem Stollenteig.

In der orangefarbenen Wanne, in der die Zutaten schmatzend vermischt werden, könnte auch bequem ein Kleinkind gebadet werden. "Frau Ungurean ist unsere Rundumkraft, sie wird überall gebraucht", ruft Schwester Elke von nebenan. Auf ihrem Backblech drängen sich die Kapellchen dicht an dicht, zart bestrichen mit Eigelb und verziert mit Schokostreuseln, die Tür und Dachziegel nachbilden. Behutsam schiebt sie das Blech in den bereits vorgeheizten Ofen. "In zehn Minuten dürften die Plätzchen fertig sein."

Schwester Elkes Vater war gelernter Konditor. "Früher haben wir zu Weihnachten auch schon mal zwölf Stollen gebacken. Wenn zur Fastenzeit noch welche übrig waren, haben wir die einfach eingefroren und zu Ostern wieder aufgetaut", sagt Schwester Elke, die als kleines Kind am liebsten Spritzgebäck und Nougat-Plätzchen gegessen hat.

Hat Freude am Plätzchenbacken: Marienschwester Elke Schauer, Oberin des Schönstattzentrums Marienhöhe in Würzburg.

Hat Freude am Plätzchenbacken: Marienschwester Elke Schauer, Oberin des Schönstattzentrums Marienhöhe in Würzburg.

In ihrer Zeit als Chefin eines Kindergartens hat sie mit den Jungen und Mädchen auch oft in der Adventszeit gebacken. "Am liebsten mochten sie Ausstechplätzchen und Amerikaner. Die konnten sie immer mit einer schönen Glasur versehen", schwelgt Schwester Elke in Erinnerungen.

Was machen die Kapellchen?

"Wie weit sind denn eigentlich die Kapellchen?", fragt Schwester Elke plötzlich in den Raum und hastet zum Backofen. "Glück gehabt, die sehen noch gut aus." Vorsichtig legt sie das Blech mit den goldbraunen Plätzchen zum Abkühlen auf die Arbeitsplatte. Der Stollenteig ist mittlerweile eine gute Stunde in der abgedeckten Wanne aufgegangen. Küchenchefin Ungurean fettet vier große und vier kleine Stollenformen, wiegt den Teig aufs Gramm genau und verteilt ihn in den Blechformen. "Die kommen jetzt für eine Dreiviertelstunde in den Ofen."

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Video: © Sarah Stöber

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Schwester Elke sticht derweil aus ihrem verbliebenen Teig die letzten Kapellchen aus, verziert Tür und Dach dieses Mal mit gehobelten Mandeln und schiebt das Blech ein zweites Mal in den Ofen. "Der Heidesandteig dürfte jetzt genug abgekühlt sein", sagt Schwester Elke und kommt mit der weißen Plastikschüssel aus dem Kühlraum zurück. Den Teig rollt sie zu zwei gleichgroßen Säulen und wickelt sie in Frischhaltefolie, in der sie einen Tag ruhen, bevor sie geschnitten werden und in den Ofen wandern.

Im großen Stil gebacken wird im Schönstatt-Zentrum zweimal im Dezember. "Da duftet es im ganzen Haus", sagt Schwester Elke. Die ersten der vielen Plätzchen, die die freiwilligen Backhelfer an diesen Tagen bei festlicher Weihnachtsmusik kneten, formen, stechen, backen und verzieren, gibt es zur Weihnachtsfeier des Schönstatt-Zentrums am 17. Dezember.

Die übrigen Zimtsterne, Vanillekipferl und Kapellchen sind für die Gäste des Hauses gedacht, die in der Weihnachtszeit auf der Marienhöhe zu Besuch sind. Ob beim gemeinsamen Weihnachtssingen an der Krippe mit Kindersegnung am 30. Dezember und 5. Januar oder bei der vom 30. Dezember bis 2. Januar stattfindenden "Zeit der Gnade" mit Impulsen und Gesprächen zum Jahreswechsel - für ausreichend Plätzchen ist gesorgt.

Von Manuel Mohr