Ein Richterhammer und eine Waagschale als Symbole für das Gerichtswesen.
Nach über drei Jahren Verhandlungsdauer

"Blasphemie": Pakistanischer Christ freigesprochen

Drei Jahre musste ein pakistanischer Christ auf sein Urteil in einem Blasphemie-Prozess warten. Nun ist es endlich da: Freispruch. Doch nicht nur wegen der langen Wartezeit dürften die vergangenen Jahre die schlimmsten seines Lebens gewesen sein.

Kasur - 23.01.2019

Pervaiz Masih ist ein freier Mann: Der pakistanische Christ ist nach über dreijähriger Verhandlungszeit vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen worden. Das berichtete der vatikanische Pressedienst Fides unter Berufung auf die Rechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony. "Das Gericht bestätigte den von uns eingereichten Antrag auf Freispruch. Wir haben aufzeigt, dass keine Beweise gegen Pervaiz vorliegen", sagte Anthony. Sie ist Vorsitzende der pakistanischen Organisation "The Voice Society", die sich um die rechtliche und soziale Unterstützung von Christen kümmert, die Opfer von Diskriminierung wurden.

Pervaiz Masih wurde am 2. September 2015 im Bezirk Kasur (Provinz Punjab) wegen angeblicher Gotteslästerung verhaftet, nachdem er sich mit einem Muslim wegen des Verkaufs von Baumaterial gestritten hatte. Dank der Anwälte von "The Voice Society" sei er auf Kaution aus der Untersuchungshaft freigekommen, was im Falle von Blasphemie äußerst selten vorkomme, betonte Aneeqa Maria Anthony.

Haben die Ankläger seine Tochter umgebracht?

Wie die Vorsitzende der Organisation berichtete, hat Masihs Familie stark unter der Situation gelitten und musste untertauchen. Masihs Tochter sei verstorben; es gebe Indizien dafür, dass die Ankläger sie erwürgt hätten, um Masih für die Blasphemie zu bestrafen. Seine Frau sei von der Polizei während eines Verhörs misshandelt und geschlagen worden. Trotz des Freispruchs sei Masih nach wie vor nicht vor muslimischen Fanatikern sicher, sagte Anthony.

Blasphemie gilt im islamisch geprägten Pakistan als Kapitalverbrechen. In der Praxis werden darunter nur verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden. Der bekannteste Fall ist derjenige der Katholikin Asia Bibi. Sie war 2010 wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Im vergangenen Oktober wurde sie vom Obersten Gerichtshof Pakistans freigesprochen. Daraufhin riefen muslimische Hardliner zur Rebellion gegen die Regierung auf und forderten eine Revision des Falls. Dieser Forderung gab die Regierung nach und verbot Bibi die Ausreise aus Pakistan. Am 7. November 2018 wurde sie aus dem Gefängnis entlassen und an einen unbekannten Ort in Sicherheitsverwahrung gebracht. Einige Länder, darunter Deutschland, signalisierten die Bereitschaft, Bibi Asyl zu gewähren. In den vergangenen Wochen wurde jedoch keine neue Entwicklung bekannt. (mal)