Was bleibt vom Weltjugendtag in Panama?
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Katholisch.de-Reporter berichten von ihren Erfahrungen

Was bleibt vom Weltjugendtag in Panama?

Der Weltjugendtag in Panama ist vorbei. Eine Woche bereichernder Glaubenserfahrung in dem mittelamerikanischen Land liegen hinter den jungen Pilgern. Doch was bleibt von dem Event? Das haben sich die Reporter von katholisch.de vor Ort gefragt und ein persönliches Resümee gezogen.

Von Gabriele Höfling |  Panama-Stadt - 27.01.2019

Für mich sind zwei Momente zentral, die das Wesen und die Stärke des Weltjugendtags in Panama wie in einem Brennglas widerspiegeln: die Vigil am Samstagabend und das Papstwillkommen am Donnerstagabend an der Cinta Costera, direkt am Pazifischen Ozean. Dort waren begeisterte Jugendliche aus der ganzen Welt mit dem Papst zusammengekommen, der sich ihnen zuwandte und dem sie zujubelten. Das Band des gemeinsamen Gebets war direkt spürbar. Hinzu kam die gelöste, friedliche Abendstimmung, unterstützt von einer atemberaubenden Kulisse.

Das mag eine schlichte Aufzählung sein, aber genau hier zeigt der Weltjugendtag seine einzigartige Stärke: Für die Jugendlichen, die hier zusammenkommen, kann er wirklich wie eine Art "Tankstelle des Glaubens" sein, die ein tiefes Erleben von Kirche ermöglicht, das im Gemeindealltag vielleicht manchmal zu kurz kommt. Von hier können die jungen Katholiken Impulse mit nach Hause nehmen, um etwa neuen Schwung in eine vielleicht lahmende Jugendarbeit zu bringen. Doch die beiden bunten Versammlungen Zehntausender junge Leute zeigen eine weitere Stärke der katholischen Kirche: Sie ist eine Weltkirche. So viele intensive Begegnungen mit Menschen anderer Nationen und Kulturen in so kurzer Zeit gibt es sonst wohl kaum. Diese Möglichkeit der Völkerverständigung hat gerade in Zeiten wachsender Nationalismen einen unschätzbaren Wert.  

Von Gabriele Höfling

Der Papst fasziniert die Jugend: Franziskus fährt mit dem Papamobil an jubelnden Menschen vorbei bei seiner Ankunft zur Willkommensfeier in Panama-Stadt während des Weltjugendtags 2019.

Ganz ehrlich: Als ich erfuhr, dass ich zum Weltjugendtag nach Panama fahren sollte, war ich wenig begeistert. Mit Glaube oder Gott hatte eine solche Veranstaltung für mich nichts zu tun. Zu weit weg schien mir die Botschaft eines leidenden Jesus, der zu den Aussätzigen ging und sich um die Schwachen kümmerte, von einer Invasion partylustiger und der Kirche unkritisch gegenüberstehender Jugendlicher in ein für sie fremdes Land. Denn wenn man die Veranstaltung von außen betrachtet oder Berichte dazu liest oder sieht, scheint der Weltjugendtag ein solches Event zu sein.

Nach einer Woche in Panama habe ich meine Meinung zum Thema jedoch geändert. Nicht, weil die Veranstaltung keine große Party ist - denn das ist sie durchaus. Sondern weil es im Kern doch um den Glauben geht: Wenn man sieht, wie eine Jugendliche beim Besuch eines indigenen Volkes vor Rührung in Tränen ausbricht, wenn man durch seinen Kollegen erfährt, wie ein Rollstuhlfahrer von seinen Freunden hochgehoben wird, um den Papst sehen zu können oder wenn sich Pilger und Gastfamilien zusammentun und im Eiltempo kulturelle Barrieren durchbrechen, dann weiß man, dass es auf dem Weltjugendtag doch um mehr als nur Party geht. Und dieses "mehr" trifft schon ziemlich gut den Kern des Christentums. Der Weltjugendtag bringt Menschen dazu, neue Erfahrungen zu machen und sich zu verändern. Darin zeigt sich die Kraft, die der christliche Glaube haben kann. Natürlich ist der Weltjugendtag auch ein Event, aber er führt etwas vor Augen, das ich vor einigen Jahren in den USA kennenlernen durfte und in Deutschland oft vermisse: Einen Glauben, der selbstverständlich und offenherzig gelebt wird, der eine Relevanz für das Leben der Gläubigen hat und einen starken Zusammenhalt und Gemeinschaft formen kann. Und genau das braucht die Kirche viel mehr – vor allem in Deutschland.

Von Joachim Küffner

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Meine ganz persönliche Erinnerung an den Weltjugendtag in Panama ist ein Foto, das ich nach der ersten offiziellen Begegnung des Papstes mit den Pilgern gemacht habe. Die etwa 100.000 Teilnehmer warten darauf, dass Franziskus mit seinem Papamobil durch die schmalen Gassen fährt, die sich innerhalb der Menschenmenge gebildet haben. Fast zum Ende seiner Tour kommt er auch dort vorbei, wo ich stehe. Doch mich hat nicht so sehr beeindruckt, den Papst in einem sehr schnellen Tempo an mir vorbeifahren zu sehen. Vielmehr habe ich neben einem jungen Mann gestanden, der aus Guatemala stammt, wie die Flagge in seinen Händen nahe legt.

Da er im Rollstuhl sitzt, hätte er keine Chance gehabt, den Papst vorbeifahren zu sehen. Zu viele Menschen standen vor ihm. Doch seine Freunde und andere anwesende Pilger wollten sich nicht damit abfinden, dass er diese vielleicht einmalige Möglichkeit aufgrund seiner Behinderung an sich vorrübergehen lassen muss. Kurzerhand hoben sie mit mehr als fünf Leuten seinen Rollstuhl hoch. Doch da sie nicht sehen konnten, wann Franziskus vorbeifahren würde, hielten sie ihren Freund für mindestens 20 Minuten oben. Diese Weltjugendtagsteilnehmer haben sich für ihren Freund und Mitchristen eingesetzt und ihm geholfen. Seine Behinderung hat sie nicht gleichgültig gelassen. Wenn der Weltjugendtag dazu beigetragen hat, dass sich Nächstenliebe auf diese Weise Bahn bricht, dann hat er sich gelohnt.

Von Roland Müller

Themenseite: Weltjugendtag

Alle drei Jahre finden Weltjugendtage statt. An wechselnden Orten kommen dann katholische Jugendliche aus aller Welt zusammen, um gemeinsam ihren Glauben zu feiern. Vom 22. bis 27. Januar 2019 ist Panama Gastgeber des Treffens.