Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer im Porträt.
Neue Synagoge in Regensburg eröffnet

Bischof Voderholzer bittet jüdische Gemeinde um Vergebung

Mit über 1.000 Jahren Geschichte ist die jüdische Gemeinde in Regensburg die älteste in Bayern. Jetzt steht ihr nach 80 Jahren wieder eine Synagoge zur Verfügung. Zur Eröffnung kam auch Bischof Rudolf Voderholzer – und gestand kirchliche Schuld ein.

Regensburg - 27.02.2019

Regensburg hat wieder eine Synagoge. Der Neubau im Zentrum der Stadt ist am Mittwoch feierlich eröffnet worden. "Die Jüdische Gemeinde Regensburg hat ihr Herzstück wieder", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Sowohl die jüdische Gemeinde als auch die Stadt, der Freistaat und der Bund setzten "ein deutliches Zeichen - ein Zeichen für Zusammenhalt, für Vielfalt und für Toleranz". Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach von einem "Freudentag nicht nur für die jüdische Gemeinde, sondern für uns alle in Bayern".

Mit ihren mehr als 1.000 Jahren Geschichte ist die jüdische Gemeinde in Regensburg die älteste in Bayern. Der Neubau steht am selben Ort wie die 1938 während der Novemberprogromen zerstörten Synagoge unweit des Doms. Die Eröffnung findet fast genau an jenem Termin statt, an dem vor 500 Jahren die jüdischen Einwohner von Regensburg aus der Stadt vertrieben wurden.

"Es schmerzt uns..."

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bat die jüdische Gemeinde um Vergebung für das Leid, das durch Christen geschehen sei. "Es schmerzt uns, dass sich die Vertreter der Kirche 1519 nicht nur nicht schützend vor die jüdischen Mitbürger gestellt, sondern einige sogar noch Profit aus ihrer Ausweisung gezogen haben." Auch 1938 hätten Christen in der überwiegenden Mehrheit nicht den Mut aufgebracht, sich mit den jüdischen Mitbürgern zu solidarisieren.

Heute gelte es zusammenzustehen, wenn geschichtsvergessene Kräfte und Bewegungen offen antisemitische Klischees bedienten, so der Bischof weiter. Schuster sprach von einem grassierenden Antisemitismus. "Wir erleben, wie Rechtspopulisten versuchen, rote Linien zu verschieben und dabei gegen Minderheiten hetzen." Auch die Erinnerung an die Schoah versuchten manche zu relativieren. In vermeintlich legitimer Kritik am Staate Israel drücke sich ebenfalls Antisemitismus aus.

"Mit großer Freude und Erregung geben wir bekannt, dass wir das wunderbare Ereignis miterleben dürfen, dass die vor 80 Jahren zerstörte Synagoge wieder aus der Asche auferstanden ist", kommentierte der Regensburger Rabbiner Josef Chaim Bloch. Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betonte in seiner Rede die "Bedeutung eines blühenden jüdischen Lebens in Bayern". Synagogen seien "Orte der Vielfalt, des Friedens und der Toleranz". Umso dankbarer sei man, "dass trotz der Barbarei und Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus" Juden nach 1945 hier wieder eine Heimat gefunden hätten.

Die nun errichtete Synagoge nach Plänen des Berliner Architekturbüros Volker Staab bietet Platz für 160 Gläubige, der angrenzende Gemeindesaal für 200 Personen. Einschließlich der Sanierung des historischen Gemeindehauses entstanden Kosten in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Vom Bund kamen 3,3 Millionen, von der Stadt Regensburg 2 Millionen Euro Zuschuss. Der Rest wurde durch Eigenmittel der jüdischen Gemeinde und Spenden aufgebracht, darunter auch von den christlichen Kirchen. (tmg/KNA)