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Österreichs Regierung und ihr Angriff auf die Feiertagskultur

Österreichs Regierung hat den Karfreitag als Feiertag abgeschafft. Steffen Zimmermann sieht darin ein fatales Signal: Die Entscheidung entwerte die Feiertagskultur, zeuge von mangelnder Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten und nütze vor allem der Wirtschaft.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 28.02.2019

Steffen Zimmermann katholisch.de

Es ist eine bemerkenswerte Entscheidung: Ausgerechnet die rechtskonservative Regierung in Österreich, deren Vertreter gerne lautstark für das christliche Abendland trommeln, hat den Karfreitag als Feiertag abgeschafft. Wer in der Alpenrepublik am Gedächtnistag der Kreuzigung Jesu frei haben möchte, muss sich dafür künftig Urlaub nehmen.

Vorausgegangen war dieser Neuregelung eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Der hatte das bisherige Modell, nach dem der Karfreitag nur für Angehörige der altkatholischen und der evangelischen Kirchen ein gesetzlicher Feiertag war, im Januar als diskriminierend eingestuft und eine Änderung gefordert. Doch statt die Chance zu nutzen, den Karfreitag und seine religiöse Bedeutung mit einer rechtssicheren Neuregelung zu stärken, hat die Regierung den Feiertag nun komplett abgeschafft.

Die Regierung in Wien nennt ihre Neuregelung – die auf einem Vorschlag des österreichischen Handelsverbandes beruht und vor allem der Wirtschaft nutzen dürfte – euphemistisch einen "persönlichen Feiertag", ein Begriff fast wie aus dem Framing-Lehrbuch. Denn einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es für die Arbeitnehmer in Österreich gerade nicht. Sie dürfen in Zukunft lediglich einen Tag pro Jahr aus ihrem bestehenden Urlaubskontingent einseitig als Feiertag deklarieren, sofern sie dies dem Arbeitgeber drei Monate vorher ankündigen. So etwas nennt man wohl Etikettenschwindel. Und wie praxistauglich diese Regelung ist, muss sich auch noch zeigen.

Doch die Entscheidung ist noch in anderer Hinsicht ein fatales Signal: Zum einen zeugt sie von fehlendem Respekt gegenüber religiösen Minderheiten. In diesem Fall sind die Altkatholiken und Protestanten im mehrheitlich katholischen Österreich die Leidtragenden, denn sie verlieren ihren Feiertag. Zum anderen entwertet das Gerede vom "persönlichen Feiertag" vollkommen die eigentliche Bedeutung von Feiertagen. Denn Feiertage wie der Karfreitag oder auch Pfingsten und Fronleichnam sollen an das religiöse und kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft erinnern. "Persönliche Feiertage", die je nach eigenem Gusto genommen werden können, zerstören diese Erinnerungskultur; sie sind bloße freie Tage ohne jegliche inhaltliche Rückbindung. Gerade vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass die Kirchen im Land bislang kaum Kritik an der Neuregelung geübt haben.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

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