Eine Frau sitzt verängstigt auf dem Boden.
Amtsträger müssen auch Verdachtsfälle bei Erwachsenen melden

Kirche in der Schweiz verschärft Anzeigepflicht bei Missbrauch

Bislang waren kirchliche Amtsträger in der Schweiz nur bei minderjährigen mutmaßlichen Opfern verpflichtet, Missbrauchsverdachtsfälle der staatlichen Justiz zu melden. Mit dem heutigen Tag ändert sich das.

Fribourg - 01.03.2019

Die katholische Kirche in der Schweiz verschärft die Anzeigepflicht bei Verdachtsfällen auf Missbrauch. Kirchliche Amtsträger sind ab Freitag (1. März) nun auch bei erwachsenen mutmaßlichen Opfern verpflichtet, bei Verdacht auf ein Offizialdelikt den Fall der staatlichen Justiz zu melden, wie die Schweizer Bischofskonferenz (Donnerstag) bestätigt.

In Fällen mit minderjährigen Opfern gab es schon bisher eine solche Meldepflicht. Erwachsene mussten hingegen zwar auf die Möglichkeit einer Strafanzeige nach staatlichem Recht hingewiesen werden; sie konnten aber Einspruch gegen die Erstattung einer Anzeige durch kirchliche Amtsträger erheben.

Vertuschungsgefahr

Die bisherige Regelung folgt Empfehlungen von Opfertherapeuten, die ein "Vetorecht" für die Opfer gefordert hatten, so die Bischofskonferenz. Die Praxis habe aber gezeigt, dass ohne Anzeigepflicht "die Vertuschungsgefahr bestehen bleibt sowie die Gefährdung von potenziellen künftigen Opfern". Die Verschärfung der Anzeigepflicht hatten die Schweizer Bischöfe bereits im Herbst angekündigt.

In der Schweiz hatten sich laut Angaben der Schweizer Bischöfe vom vergangenen September zuletzt mehr Personen gemeldet, die von Kirchenleuten belästigt oder missbraucht worden seien; 2017 gab es demnach 65 neue Meldungen. Viele der gemeldeten Übergriffe liegen den Angaben zufolge 30 Jahre und länger zurück. Seit 2010 wurden in den Bistümern demnach rund 300 Fälle gemeldet. Die meisten Opfer seien Heranwachsende bis 16 Jahre gewesen. Täter waren überwiegend Priester und Ordensleute. Die meisten Fälle seien verjährt, hieß es. (tmg/KNA)