Ein Bischof faltet seine Hand.
Sie hatte gegen Klerikalismus demonstriert

Diakon schlägt Frau Plakat aus der Hand – Bischof entschuldigt sich

Eine Frau demonstrierte am Rande einer Messe in Santiago gegen herrschaftliches Gebaren von Klerikern – und ein Diakon schlug ihr das Plakat aus der Hand. Nun hat der zuständige Bischof Aos die Frau besucht und sich persönlich dafür entschuldigt.

Santiago - 27.03.2019

Der neue Bischof in Santiago de Chile, Celestino Aos, hat sich für den Angriff eines Diakons auf eine Demonstrantin entschuldigt. Bei der Messe zur Einführung von Aos am Sonntag hatte ein Diakon der Frau ein Plakat aus der Hand geschlagen, mit dem sie vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals herrschaftliches Gebaren von Klerikern kritisierte. Wie das Erzbistum mitteilte, traf der Bischof am Dienstag (Ortszeit) mit der Demonstrantin Elizabeth Vega und ihrem Mann in deren Haus zusammen, um sich persönlich zu entschuldigen und ihre Kritik und Vorschläge zu hören.

Bereits während des Gottesdienstes am Sonntag hatte das Erzbistum sich per Twitter für den Vorfall entschuldigt und von einem "respektlosen und aggressiven Verhalten" des Diakons gesprochen. Die Kurzmitteilung verwies zudem auf eine Aussage des Bischofs in seiner Predigt, nach der die Kirche Kritik und Widerspruch annehmen müsse.

Bei der Messe wurde Santiagos früherer Erzbischof Kardinal Ricardo Ezzati verabschiedet, der unter Vertuschungsvorwürfen steht. Der Kapuziner Aos übt die Bistumsleitung übergangsweise aus, bis ein regulärer Amtsinhaber ernannt wird.

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Unterdessen hat die chilenische Staatsanwaltschaft die Vorwürfe gegen Ezzati konkretisiert. Wie örtliche Medien am Dienstag berichteten, wird gegen den Geistlichen wegen des Verdachts der Missbrauchsvertuschung in vier Fällen ermittelt. Dabei geht es den Angaben zufolge unter anderem um den Ex-Kanzler des Erzbistums Santiago. Ihm wird mehrfacher sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Am Samstag hatte Papst Franziskus den Rücktritt des Kardinals als Leiter des Erzbistums Santiago angenommen. Auch gegen Übergangsleiter Bischof Aos liegt laut einem Bericht der Tageszeitung "La Nacion" ein Vertuschungsvorwurf vor. Ein ehemaliger Seminarist beschuldigt den Geistlichen demnach, im Jahr 2012 einen gemeldeten Missbrauchsfall absichtlich nicht mit der gebotenen Gründlichkeit untersucht zu haben. (tmg/KNA)