Zeitung: Verfahren gegen Düsseldorfer Stadtdechanten eingestellt
Nach Vorwurf der sexuellen Belästigung

Zeitung: Verfahren gegen Düsseldorfer Stadtdechanten eingestellt

Wegen angeblicher sexueller Belästigung eines Erwachsenen wurde gegen den Düsseldorfer Stadtdechanten seit März ermittelt. Jetzt ist das Verfahren eingestellt worden. In der Zwischenzeit habe es jedoch weitere Anzeigen gegeben, heißt es.

Köln - 03.05.2019

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat ein Ermittlungsverfahren gegen den beurlaubten Stadtdechanten Ulrich Hennes wegen angeblicher sexueller Belästigung "mangels Nachweises" eingestellt. Dies berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitag) unter Berufung auf die Behörde. Diese bezog sich demnach auf den Hauptvorwurf gegen Hennes, den das Erzbistum Köln im März an die Behörde weitergegeben hatte.

Am 19. März hatte die Diözese aufgrund des Verfahrens die Beurlaubung des 56-Jährigen von allen kirchlichen Ämtern mitgeteilt. Hennes sei, den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz entsprechend, bis zum Abschluss des Verfahrens beurlaubt, hieß es. In den Leitlinien heißt es wörtlich: "Liegen tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen oder erwachsenen Schutzbefohlenen vor, entscheidet der Ordinarius über das weitere Vorgehen unter Berücksichtigung der kirchen- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen." Im Falle eines Klerikers könne das etwa die Freistellung vom Dienst sein (can. 1722 CIC).

Zugleich kündigte das Erzbistum die Eröffnung eines kirchenrechtlichen Verfahrens gegen den seit Oktober 2015 amtierenden Stadtdechanten an. Doch sollte bis zum Abschluss der Verfahren "keine Vorverurteilung stattfinden; es gilt die Unschuldsvermutung", appellierte das Erzbistum damals.

Anwalt: "An den Vorwürfen ist nichts dran"

"Die Einstellung des Verfahrens kommt einem Freispruch erster Klasse gleich", sagte Hennes' Anwalt Peter Schnatenberg jetzt dem "Stadt-Anzeiger". "Es bestätigt sich jetzt, was mein Mandant immer gesagt hat: An den Vorwürfen ist nichts dran." Der Geistliche sei "hocherfreut" und "könne endlich wieder ruhig schlafen". Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und das öffentliche Aufsehen hätten ihn schwer belastet. Nun erwarte er dessen vollständige Rehabilitierung und damit die sofortige Aufhebung der Beurlaubung und die Wiedereinsetzung in alle Ämter. Es wäre ein "Zeichen von Größe", wenn der Kölner Kardinal Rainer Woelki dazu selbst nach Düsseldorf käme, so der Anwalt.

Das Erzbistum Köln wollte auf Anfrage der Zeitung keine Stellung nehmen; es habe auf "laufende Verfahren" verwiesen, hieß es. Laut "Stadt-Anzeiger" geht es dabei um Anzeigen, die nach dem Bekanntwerden des Vorwurfs gegen Hennes eingegangen waren.

Schnatenberg sprach von "Trittbrettfahrern". In einem Fall soll die Staatsanwaltschaft erst gar nicht ermittelt haben, in einem zweiten sei ebenfalls mit baldiger Einstellung zu rechnen. Justizkreise hätten von Anfang an von einer "dünnen Faktenlage" gesprochen.

Grundlage der Anzeige durch das Erzbistum Köln soll eine kürzlich aufgefundene Aktennotiz von 2013 über ein Vorkommnis von 2012 gewesen sein, die auf Hörensagen beruhte. Der angeblich Belästigte - ein erwachsener Priesteramtskandidat und Praktikant in Hennes' damaliger Gemeinde - soll den Pfarrer in einer Polizei-Vernehmung ausdrücklich entlastet haben, so der "Stadt-Anzeiger". (tmg/KNA)