Bode zu Missbrauchsfällen: Versöhnung und Heilung müssen möglich sein
Bischof besucht von Missbrauch betroffene Gemeinden

Bode zu Missbrauchsfällen: Versöhnung und Heilung müssen möglich sein

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode besucht derzeit von Missbrauch besonders betroffene Gemeinden seiner Diözese. Dabei rief er dazu auf, wieder neues Vertrauen in die Kirche zu fassen – schönreden wolle er jedoch nichts.

Osterbrock - 06.05.2019

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat sich erstmals öffentlich den Fragen von Gläubigen zu Missbrauchsfällen gestellt. In Osterbrock im Emsland rief er die Menschen am Sonntagabend dazu auf, wieder Vertrauen zur Kirche zu fassen. "Wir dürfen nicht in der Verstörung gefangen bleiben", sagte Bode vor etwa 150 Besuchern in der St. Isidor Kirche. "Wir kommen nicht weiter, wenn wir aus dem Vertrauensverlust nicht wieder herauskommen. Versöhnung und Heilung müssen möglich werden."

Die Kirche habe höchste Ansprüche an die eigene Moral gestellt. "Deshalb fallen wir jetzt so tief", gestand Bode ein. Er sei auch nicht gekommen, um etwas schön zu reden oder sich zu rechtfertigen. Er warnte jedoch davor, die Kirche und alle Amtsträger unter Generalverdacht zu stellen. Der Bischof begann in der St. Isidor Kirche eine Reise in insgesamt vier vom Missbrauch besonders betroffene Gemeinden.

In Osterbrock war von 1980 bis 1995 ein mittlerweile gestorbener Pfarrer tätig, der zuvor als Leiter eines Meppener Jungenwohnheims Schüler missbraucht haben soll. Ein Opfer hatte sich 2010 in einem Brief an Bischof Bode gewandt. Laut Bode hat der Mann nach einem Gespräch mit dem Missbrauchsbeauftragen darum gebeten, den damals noch lebenden Priester nicht damit zu konfrontieren. Diesem Wunsch habe er damals entsprochen.

"Heute würde man eher dazu neigen, den Fall auch gegen den Willen des Opfers an die Staatsanwaltschaft zu geben", räumte Bode auf die Frage einer Besucherin ein. In einem Zeitungsinterview zu Beginn dieses Jahres hatte das Opfer den Sachverhalt anders dargestellt und kritisiert, dass der Fall nicht weiter verfolgt worden sei. (epd)