Fötus im Ultraschalluntersuchung
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Vergleich löst Debatte aus

Erzbischof: Abtreibung ist schlimmer als Missbrauch

Bei einer Abtreibung werde schließlich ein unschuldiger Mensch getötet – sie sei also "moralisch betrachtet schwerwiegender" als Missbrauch: Erzbischof Carlos Garfias Merlos hat mit diesem Vergleich eine Debatte ausgelöst.

Mexiko-Stadt - 14.05.2019

In Mexiko hat Erzbischof Carlos Garfias Merlos mit einem Vergleich von Abtreibung und Kindesmissbrauch eine Debatte ausgelöst. Der stellvertretende Vorsitzende der Mexikanischen Bischofskonferenz sagte nach Angaben der Tageszeitung "La Voz de Michoacan" (Sonntag Ortszeit), dass "Abtreibung moralisch betrachtet schwerwiegender" sei als Missbrauch. Schließlich werde bei einem Schwangerschaftsabbruch ein unschuldiger Mensch getötet.

"Und Missbrauch kann in vielen verschiedenen Formen geschehen", wird der Erzbischof von Morelia zitiert. Darin liege die unterschiedliche moralische Schwere der Verstöße. Garfias Merlos antwortete dem Bericht zufolge auf die Frage nach einer Äußerung des italienischen Kardinals Giovanni Battista Re vor einigen Jahren. Dieser hatte sich laut Medienberichten gegen die moralische Legitimierung einer Abtreibung im Fall eines 15-jährigen Mädchens ausgesprochen, das durch eine Vergewaltigung schwanger geworden war.

Garfias Merlos äußerte sich während einer Pressekonferenz, bei der neue Normen von Papst Franziskus zum Umgang mit Missbrauch vorgestellt wurden. Der Papst hatte in der vergangenen Woche die Kirchenrechtsnormen im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch durch Geistliche drastisch verschärft. Ein derartiger Schritt war unter anderem von Opferverbänden, Politikern und zahlreichen Bischöfen der Weltkirche gefordert worden. Das am Donnerstag veröffentlichte Gesetz sieht neue Verfahrensweisen für die Strafanzeige vor und führt eine weltweite Anzeigepflicht ein. Erstmals regelt es die Untersuchung gegen Bischöfe, die Ermittlungen vertuscht oder verschleppt haben. (tmg/KNA)