Fundamente des gemeinsamen "Hauses Europa" stärken

Kardinal Woelki: Bei Europawahl für freie und demokratische EU stimmen

Aktualisiert am 26.05.2019  –  Lesedauer: 
Kardinal Rainer Maria Woelki im Porträt
Bild: © dpa/Oliver Berg

Köln ‐ Nationalradikale Sprücheklopfer seien keine Alternative, sagte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Denn die aktuellen Herausforderungen könnten nur grenzüberschreitend gelöst werden. Auf Christen komme bei der Wahl noch eine besondere Rolle zu.

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Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat dazu aufgerufen, bei der Europawahl nicht für Populisten zu stimmen, sondern die Fundamente des "Hauses Europa" zu stärken. Dies sei nötig, "damit wir auch in Zukunft in einem freien, demokratischen Europa leben, in dem christliche Werte nicht ausgehöhlt werden, sondern den Ton angeben - um der Menschen willen", sagte Woelki am Sonntag in seinem "Wort des Bischofs" im Bistumssender Domradio.de. "Der Mensch und seine lebenswerte Zukunft, die müssen im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen."

Über eine Zukunft für das "Haus Europa" werde gestritten, so Woelki. Die einen wünschten ein offenes Haus, in dem Menschenrechte beachtet würden, während andere das Haus gegen Flüchtlinge verbarrikadieren wollten. "Selbstverliebte, nationalradikale Sprücheklopfer, die nationale Alleingänge planen und zwar viel vom Volk reden, ihm aber letztlich nicht dienen wollen, die sind für mich keine Alternative - nicht für Deutschland und nicht für Europa", führte der Kardinal aus.

Klimaschutz könne nur grenzüberschreitend geregelt werden

Der "lebensnotwendige Klimaschutz" und eine gerechte Wirtschaftsordnung könnten nur solidarisch und grenzüberschreitend geregelt werden, sagte Woelki. Angesichts der aktuellen Herausforderungen, vor denen Europa stehe, seien die Stimmen derjenigen besonders wichtig, "die Gott im Herzen tragen und das Wohl der Menschen in den Mittelpunkt stellen". Europas Wurzeln lägen in seiner Christianisierung, "dort entspringen Menschenrechte und Demokratie". Und die Demokratie lebe "von der Stimme, die wir ihr geben".

Ähnlich hatten sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag in einem gemeinsamen Gastbeitrag auf Focus Online geäußert. Sie riefen zur Beteiligung an der Europawahl am Sonntag auf: "Geben wir dem Friedensprojekt Europa unsere Stimme." Sie warnten zugleich vor rechtspopulistischen Parteien. Wer auf die "Abwicklung Europas durch nationalistische Angstmacher" spekuliere, der setze viel aufs Spiel - "vielleicht alles". (cst/KNA/epd)