Der Bildausschitt zeigt Männer von der Hüfte abwärts. Sie tragen lange, einfarbige Gewänder in Schwarz, Weiß und Dunkelblau.
Erstmaliges Treffen im "Klima des Vertrauens"

Französische Bischöfe öffnen Priesterkindern die Archive

Öffnung der Archive, Ansprechpartner in jedem Bistum und psychologische Unterstützung – die französischen Bischöfe haben bei einem Treffen mit Priesterkindern Ziele gesteckt, um diese zu unterstützen.

Paris - 14.06.2019

Damit Priesterkinder mehr über ihre Herkunft erfahren, wollen die französischen Bischöfe ihnen Einsicht in die kirchlichen Archive gewähren. Das ist laut der Zeitung "Le Monde" eines von fünf Zielen, auf das sich die französische Bischofskonferenz mit Vertretern von Priesterkindern geeinigt hat. Viele Priesterkinder würden bis heute ihren Vater nicht kennen, sagte Anne-Marie Jarzac, 68 Jahre alt, Priesterkind. Sie war eine von drei Vertretern der Organisation "enfants du silence" (Kinder des Schweigens), die mit den Bischöfen diskutierte. Daher will sie besonders dieses Thema beim nächsten gemeinsamen Treffen im Oktober ansprechen.

Das zweistündige Treffen am Donnerstag war bisher historisch einmalig. Zu den weiteren Zielen gehört, dass in jeder Diözese ein Ansprechpartner für Priesterkinder eingerichtet werden soll, der die Betroffenen kennenlernt und ihnen hilft. Auch auf eine "soziale, menschliche und psychologische" Unterstützung für die Priesterkinder und ihrer Mütter und Väter haben sich beide Seiten festgelegt. Dazu sollen die Schwierigkeiten der Kinder mit einer Mahnwache deutlich gemacht werden. Das fünfte Ziel ist genereller Natur, nämlich weiter zusammenzuarbeiten. Dadurch soll auch die Frage diskutiert werden: Wie soll ein Priester für sein Kind sorgen?

"Endlich öffnet die Kirche ihre Türen."

Von einem "Klima des Vertrauens" berichtet Anne-Marie Jarzac nach dem Austausch, an dem unter anderem Jérôme Beau, Erzbischof von Bourges und Vorsitzender der Kommission für Amtsträger und Laien in der kirchlichen Mission, teilgenommen hat. Endlich öffne die Kirche ihnen die Türen, damit sie von ihren jahrzehntelangen, leidvollen Erfahrungen berichten könnten. Davon, wie sie geheim gehalten, abgelehnt und gedemütigt wurden.

Verwundert sei Jarzac zwar darüber, dass die Kirche Priesterkinder so lange missachtet habe. Die 60 Mitglieder ihrer Organisation seien aber trotzdem bereit, mit den Bischöfen zusammenzuarbeiten, damit sich die Tragödien nicht wiederholten. Erzbischof Beau verglich die Kirche mit einem Dampfer, der sich langsam, aber sicher bewege - nun auch im Umgang mit Priesterkindern. (tob)