Insignien des Bischofs
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Wegen des Vorwurfs juden- und frauenfeindlicher Aussagen

Ernannter Weihbischof erklärt Amtsverzicht – noch vor seiner Weihe

Wegen umstrittener Kommentare zum jüdischen Leben und der Stellung von Frauen wirft ein ernannter chilenischer Bischof das Handtuch – noch bevor er geweiht wurde. Ein Rückschlag für die Kirche in Chile, die mit großen Problemen zu kämpfen hat.

Santiago de Chile - 17.06.2019

Wegen umstrittener Äußerungen zu Frauen und Juden hat ein erst vor kurzem ernannter Weihbischof in Chile noch vor seiner Weihe seinen Amtsverzicht erklärt. Carlos Eugenio Irarrázaval Errazuriz war vor knapp einem Monat zum Weihbischof der Erzdiözese Santiago de Chile ernannt worden und sollte Mitte Juli geweiht werden. Laut einer Erklärung des Erzbistums vom Freitag, über die unter anderem der "Guardian" und der US-Pressedienst "Catholic News Agency" am Wochenende berichten, wird Irarrázaval jedoch Pfarrer in einem Vorort von Santiago bleiben.

Grund dafür sind Äußerungen des Priesters in einem Fernsehinterview für "CNN Chile" Ende Mai. Darin hatte er gesagt, dass Jesus Christus keine Frauen zum letzten Abendmahl an den Tisch geladen habe, müsse die Kirche "respektieren". "Jesus Christus traf Entscheidungen und er tat es nicht ideologisch." Vielleicht zögen es Frauen ja vor, im "Hinterzimmer" zu bleiben.

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Außerdem verwies er darauf, dass die jüdische Kultur bis heute "chauvinistisch" und von der Unterordnung der Frau geprägt sei: "Wenn du einen Juden siehst, der die Straße hinuntergeht, geht die Frau zehn Schritte dahinter." Dagegen habe Jesus sich gewandt, indem er sich etwa mit einer Ehebrecherin und einer Samariterin unterhalten habe.

Kritik von unterschiedlichen Seiten

Die Aussagen des designierten Bischofs sorgten für Kritik etwa von Frauenrechtsgruppen und Kirchenkritikern. Das Bistum organisierte ein Treffen mit der jüdischen Gemeinde, bei denen sich Irarrázaval für seine Bemerkungen entschuldigte. Er schrieb außerdem einen Brief, in dem er sich für Ausdrücke entschuldigte, die "viele Menschen beunruhigten und sogar schmerzten". Weiter heißt es in dem Schreiben: "Ich möchte aufrichtig um Vergebung für das Leiden und die Verwirrung bitten, die meine Aussagen verursacht haben könnten."

Für das Bistum kommt die Affäre zur Unzeit: Es steht im Mittelpunkt des Missbrauchsskandals in dem Land. Außerdem fehlt es dort an Führungspersonal, da mehrere Weihbischöfe von Papst Franziskus zu Apostolischen Verwaltern anderer Diözesen ernannt wurden. (cph)