Erneuter Behandlungsstopp für Koma-Patient Lambert angekündigt
Gegen Proteste der Mutter

Erneuter Behandlungsstopp für Koma-Patient Lambert angekündigt

Der seit über zehn Jahren im Wachkoma liegende Franzose Vincent Lambert wird ab heute nicht mehr künstlich ernährt. Damit folgt die Klinik einem Urteil von vergangener Woche. Dennoch bleibt die Maßnahme umstritten.

Reims - 02.07.2019

Das Ärzteteam des französischen Koma-Patienten Vincent Lambert hat erneut einen Behandlungsstopp angekündigt. Die künstliche Ernährung werde noch an diesem Dienstag beendet, teilte der Neffe Lamberts laut französischen Medienberichten mit. Am Freitag hatte Frankreichs oberstes Gericht nach einem jahrelangen Rechtsstreit den Weg für einen weiteren Stopp der Behandlung freigemacht. Zuvor waren die lebenserhaltenden Maßnahmen nach einem vorübergehenden Abbruch vor einigen Wochen wieder aufgenommen worden.

Lamberts Mutter bat zuletzt am Sitz der Vereinten Nationen in Genf darum, das Leben ihres Sohnes doch noch zu retten. "Ohne Ihr Eingreifen wird mein Sohn wegen seiner Behinderung von einem Arzt euthanasiert", so Viviane Lambert. "Vincent ist nicht am Ende seines Lebens angelangt; er ist kein Stück Gemüse", fügte sie hinzu.

Mehr als zehn Jahre Wachkoma

Der 42-jährige Lambert liegt seit einem Motorradunfall 2008 in einer Art Wachkoma. Ein Ärzteteam hatte entschieden, die künstliche Ernährung des früheren Krankenpflegers am 20. Mai in einer Klinik in Reims zu beenden. Während seine Ehefrau den Schritt befürwortet, wollen die katholischen Eltern dies verhindern. Sie legten Beschwerde beim UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein und fordern, dass dessen Entscheidung abgewartet wird.

Die Eltern von Vincent Lambert, Viviane und Pierre Lambert. Sie wollen die lebenserhaltenden Maßnahmen fortsetzen.

Zahlreiche Gerichte waren bereits mit dem Fall Lambert befasst. Im Juni 2014 hatte Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht zunächst einen Abbruch der Behandlung angeordnet. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof bestätigte die Entscheidung im Juni 2015. Doch das medizinische Team des Krankenhauses CHU Reims weigerte sich, die Behandlung einzustellen. Daraufhin ordnete der Gerichtshof in Nancy eine weitere Konsultation an. Diese kam 2018 zu dem Schluss, dass die Behandlung beendet werden könne.

Im Frühjahr meldete sich auch Papst Franziskus zu Wort. Er schrieb via Twitter: "Wir beten für Menschen, die mit schweren Gebrechen leben. Bewahren wir das Leben, die Gabe Gottes, vom Anfang bis zum natürlichen Ende." Man dürfe "der Wegwerfkultur keinen Raum" geben. (KNA)