Sternberg: Frauen-Proteste zeigen Lebendigkeit von Kirche
ZdK-Präsident musste Bischöfe von "Frauen-Forum" überzeugen

Sternberg: Frauen-Proteste zeigen Lebendigkeit von Kirche

Zahlreiche deutsche Bischöfe haben die Initiative Maria 2.0 kritisiert. ZdK-Präsident Thomas Sternberg kommt zu einem anderen Urteil - und ist froh, die Oberhirten von einem Frauen-Forum beim "synodalen Weg" überzeugt zu haben.

Köln - 06.07.2019

Von Frauen getragene Protestbewegungen wie Maria 2.0 wertet Thomas Sternberg als Zeichen für die "Lebendigkeit von Kirche". In einem Interview des Radiosenders WDR 5 zeigte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am Samstag zugleich zufrieden darüber, dass der von den deutschen Bischöfen und dem ZdK geplante Reformdialog einen eigenen Schwerpunkt zum Thema Frauen setzen soll.

Die Frage, ob er die Bischöfe habe überzeugen müssen, dass dieser Punkt zu dem "synodalen Weg" dazugehöre, bejahte Sternberg. Die Bischöfe hätten diesen Aspekt zunächst für ein "Querschnittsthema" gehalten. Aber die Überzeugungsarbeit sei schlussendlich leicht gefallen, "denn wir arbeiten doch hier sehr vertrauensvoll zusammen".

Der Startschuss für den "synodalen Weg" soll Anfang Dezember fallen. Inhaltlich vorbereitet werden sollte der zunächst auf zwei Jahre angesetzte Prozess von zunächst drei Arbeitsgruppen. Bei der Sitzung des Gemeinsamen Rates von ZdK und Bischofskonferenz am Freitag in Bonn wurde die Einsetzung eines vierten Forums mit dem Titel "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche" beschlossen. Die Leitung übernimmt der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Die drei anderen Foren beschäftigen sich mit den Themen "Macht, Partizipation, Gewaltenteilung", "Sexualmoral" und "Priesterliche Lebensform".

kfd begrüßt Forum zu Frauen in der Kirche

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) begrüßte den Beschluss. Die Bischöfe würden sich endlich mit den Initiativen von Frauen auseinandersetzen, "die lautstark längst überfällige Reformen der Kirche fordern", sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt am Freitag. Ohne Geschlechtergerechtigkeit könne und werde es keine wirkliche Reform geben. Wuckelt mahnte an, "dass eine Neuausrichtung nur von unten nach oben" gelingen könne.

Am Samstag kam es zudem zu neuen Demonstrationen für mehr Gleichberechtigung in der Kirche. Die kfd in Münster hatte in Kooperation mit Maria 2.0 unter dem Motto "Viva Maria! Für eine Erneuerung der Kirche" dazu eingeladen. Wie die "Westfälischen Nachrichten" auf ihrer Internetseite berichteten, bewegte sich der Protestzug aus rund 600 Teilnehmern zunächst von der Lambertikirche bis zum Bischofssitz am Domplatz. Dort habe sich der stellvertretende Generalvikar des Bistums Münster, Jochen Reidegeld, den Demonstrantinnen gestellt. Reidegeld betonte den Angaben zufolge, es gebe Forderungen, die schnell umgesetzt werden sollten - dies gelte aber nicht bei den Punkten "Diakonat für Frauen" und "Priesteramt für Frauen". Einige der Anwesenden hätten dies mit Buhrufen und Pfiffen quittiert. In Sprechchören sei die Kirche zum "Handeln" aufgefordert worden. Die Abschlusskundgebung fand an der Lambertikirche statt.

Einige Bischöfe hatten die ersten Proteste von Maria 2.0 im Mai öffentlich kritisiert. So warnte etwa der Münsteraner Bischof Felix Genn vor einer "Verzweckung der Gottesmutter". Bischof Bode zeigte Verständnis für die Ungeduld der Frauen. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass die Eucharistie kein Instrument des Protests sein könne. (bod/KNA)

06.07.2019, 14.40 Uhr: aktualisiert um die Demonstrationen in Münster