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Standpunkt

Als Frau freue ich mich über jede Priesterweihe!

Kann sich eine Frau ehrlich über eine Priesterweihe freuen, die schließlich nur Männern vorbehalten ist? Theresia Kamp tut das und mahnt in der aktuellen Diskussion um die Frauenweihe an, Berufungen nicht gegeneinander auszuspielen.

Von Theresia Kamp |  Bonn - 09.07.2019

Juni und Juli sind die Monate der Priesterweihen und Primizen. Ich kann mir kaum Gläubige vorstellen, die es nicht berührt, wenn sich erwachsene Männer lang auf dem Boden ausstrecken, um damit ihre ganze Hingabe an Christus auszudrücken.

Im öffentlichen Diskurs ist das Wort "Weihe" jedoch anders konnotiert – allen voran mit den Diskussionen um die Zulassung von Frauen zu den kirchlichen Ämtern und um den Zölibat. Was ich eher selten lese: Wie schön, dass Gott in Menschen wirkt und sie dazu bewegt, die sicher nicht leichten, langen Ausbildungsjahre hin zu einem solchen Ziel zu gehen!

Freilich weiß ich als Theologin um die Anfragen an das Weiheverbot für Frauen. Es ist berechtigt, kritisch über die gegenwärtige Gestaltung des Priesteramts zu diskutieren. Das ist auch eine der Aufgaben von Theologie. Ebenso kann ich jeden gut verstehen, der in Zeiten des Missbrauchsskandals Schwierigkeiten hat, unvoreingenommen auf das Thema zu blicken.

Dennoch kann ich mich auch als Frau darüber freuen, dass ein junger Mensch das Wagnis eingeht, die hohen Ansprüche Jesu in seinem Leben verwirklichen zu wollen. Ob er sie später gänzlich erfüllen wird, ist eine andere Frage. Ungern würde ich ihm aber schon am Tag der Weihe unterstellen wollen, daran ohnehin zu scheitern. Schließlich bin ich mir sicher, selbst täglich hinter dem Ideal des Evangeliums zurückzubleiben.

Während meines Auslandsjahrs in Paris hörte ich von einer Dozentin eine bemerkenswerte Deutung der Geschichte von Kain und Abel. Die Perikope, die erzählt, wie Kain Abel tötet, nachdem Gott sein Opfer im Gegensatz zu dem seines Bruders nicht angenommen hat, lehre, dass man sich über die Berufung eines anderen freuen solle, anstatt neidisch zu sein. Auf der Ebene der Theologie über die Stichhaltigkeit der Argumente für die aktuelle Form des kirchlichen Amts zu reflektieren, muss nicht damit einhergehen, sich nicht mehr darüber freuen zu können, wenn junge Menschen – oft voll Idealismus – ihr Leben Gott weihen.

Von Theresia Kamp

Die Autorin

Theresia Kamp ist Theologin und Romanistin. Sie arbeitet als freie Mitarbeiterin für verschiedene katholische Medien.

Hinweis

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