Eine Nahaufnahme der gefalteten Hände eines Franziskaners.
Bild: © KNA
84-Jähriger war sogar mal Olympia-Trainer

Der Kapuziner-Pater, der Judo nach Afrika brachte

Dieser Kapuziner legt Sie flach! Mit seinem Engagement für die Kampfkunst Judo hat Pater Jude McKenna die Freundschaft zwischen Japan und Sambia gefördert. Dafür wurde er jetzt auf ganz besondere Weise geehrt.

Von Tobias Schulte |  Dublin - 11.07.2019

Ein nordirischer Ordensmann, der den japanischen Kampfsport Judo nach Afrika bringt? Klingt komisch, ist aber passiert. Der Ordensmann heißt Jude McKenna und ist Kapuziner. 50 Jahre lang hat der 84-Jährige als Missionar in Sambia gearbeitet und den Sport dort populär gemacht. McKenna, 1935 im beschaulichen Ballymoney im Nordosten des Landes geboren, ist eine echte Sportskanone. In seiner Jugend spielte er Fußball und Cricket. Außerdem boxte er. Gleichzeitig spürte er früh, dass Gott ihn zum Priestertum berufen könnte. Darauf festlegen wollte er sich allerdings nicht so schnell. Nach dem Schulabschluss verbrachte er deshalb fünf lange Jahre damit, über seine Berufung nachzudenken – und Sport zu treiben. Dabei gewann er unter anderem den Titel als Irischer Boxmeister im Mittelgewicht.

Dass das Boxen nicht seine größte sportliche Leidenschaft bleiben würde, erfuhr er bei drei Reisen nach Japan. Er lernte die Kampfkunst Judo kennen, die er heute als "eines der größten Geschenke Japans an die Sportwelt" bezeichnet. Doch da war noch etwas. Die Frage nach seiner Berufung, auf die er eine Antwort gefunden hatte: Er trat in den Kapuzinerorden ein und wurde 1966 zum Priester geweiht. "Mönche sind seit Jahrhunderten mit den Kampfkünsten verbunden", sagt er – auch wenn das meist weniger auf christliche Ordensleute zutrifft. Sie glaubten daran, Disziplin über Körper und Geist zu erlangen und dass Menschen durch Selbstverteidigung davor geschützt würden, dass die Gesellschaft sie ausbeute.

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Der Kapuzinerorden beauftragte Jude McKenna schließlich dazu, in Sambia als Missionar zu arbeiten. Er engagierte sich in der Ausbildung von Waisenkindern, Straßenkindern und auch Wohlhabenden. Immer mit im Gepäck: seine Begeisterung für den Sport. Um Kinder und Jugendliche die Kampfkunst Judo beizubringen, gründete der Pater 1967 ein erstes "Dojo" – eine Kampfsportschule – in Livingstone, der Hauptstadt der sambischen Südprovinz. Die Judo-Begeisterung in Sambia wuchs – und damit wurden auch entsprechende Institutionen nötig. 1971 wirkte der Kapuziner bei der Gründung des nationalen Judoverbands mit, dem er danach 45 Jahre lang als Präsident vorstand. Auch bei der Afrikanischen Judo-Union übernahm er einen Posten: als Vizepräsident.

Auszeichnung für Förderung der japanisch-sambischen Freundschaft

Durch seine Expertise war der Pater in Sambia ein gefragter Mann: als Unterstützer bei der Gründung von Judo-Clubs im ganzen Land. Aber auch in der Praxis als Trainer. So wurde McKenna dazu beauftragt, die sambischen Judoka in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1980 in Moskau zu trainieren. Außerdem unterstütze er das Boxteam vor Olympia und begleitete die Sportler geistlich.

Mittlerweile ist der Missionar nach Irland zurückgekehrt, da er mit schwindendem Sehvermögen zu kämpfen hat. Seine Begeisterung für die Kampfkunst ist aber nach wie vor ungebrochen. Seit 2017 wohnt er in Dublin und ist dort selbstverständlich Ehrengast bei den lokalen Judo-Events. Sein Engagement in Afrika wirkt aber auch noch auf andere Weise nach. Weil er das japanische Judo nach Sambia gebracht habe, habe er damit auch die Freundschaft zwischen beiden Ländern gefördert, sagt die Japanische Botschafterin in Irland, Mari Miyoshi. Deshalb zeichnete sie Pater Jude McKenna am 26. Juni mit dem "Orden der Aufgehenden Sonne" aus. Ganz zu dessen Überraschung: "Es ist eine große Anerkennung. Ich bin sehr stolz darauf, aber ich bin auch überrascht und überwältigt von der Größe des Ganzen."

Von Tobias Schulte