Eine beschädigte Kinderpuppe liegt auf dem Boden
Erzbischof Burger zieht Zwischenbilanz bei Aufarbeitung

Erzbistum Freiburg: Bis zu 800 Euro im Monat für Missbrauchsopfer

Als erste deutsche Diözese plant das Erzbistum Freiburg regelmäßige Zahlungen an Menschen, die wegen Missbrauchs bedürftig wurden. Außerdem warten laut Erzbischof Stephan Burger noch zwei besonders schwere Missbrauchsfälle in der Erzdiözese auf eine vollständige Aufklärung.

Freiburg - 24.07.2019

Das Erzbistum Freiburg plant als erste Diözese in Deutschland, kirchliche Missbrauchsopfer mit monatlichen Zahlungen zu unterstützen. Ein entsprechendes Konzept stellte Erzbischof Stephan Burger am Mittwoch vor. Die geplante Einführung von "regelmäßigen Unterstützungsleistungen" sei eine direkte Konsequenz aus Gesprächen mit Betroffenen, so der Bischof. Sexueller Missbrauch an Minderjährigen habe lebenslange Folgen und könne die Existenz gesundheitlich und beruflich stark beeinträchtigen, sagte Burger.

Therapiekosten werden übernommen

Die Unterstützung von monatlich bis zu 800 Euro soll auf Personen beschränkt sein, die infolge des erlittenen Missbrauchs "bedürftig" sind, also nicht für ihren Lebensinhalt aufkommen können. Die entsprechende Ordnung soll spätestens zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Zugleich will das Erzbistum einen "Beratungspool" einrichten, um Betroffenen bei der Suche nach geeigneten Therapeuten zu helfen. Therapiekosten werden laut Ordnung übernommen. Auch sei angedacht, die Gründung eines "Betroffenenbeirats" zu unterstützen.

Stephan Burger ist seit 2014 Erzbischof von Freiburg.

Wichtig sei zudem, die Prävention bei Klerikern weiter zu verbessern. Es gelte Missbrauch in Zukunft bestmöglichst zu verhindern, sagte Burger. Auch müssten die "großen und besonders schweren Fälle" des Kindesmissbrauchs vollständig aufgeklärt und aufgearbeitet werden. Dabei geht es vor allem um jahrelangen sexuellen Missbrauch durch einen Gemeindepfarrer in Oberharmersbach mit Dutzenden Opfern sowie um Missbrauchsvorwürfe gegen mehrere Priester in der Bodensee-Wallfahrtskirche Birnau.

Die nun vorgestellten Pläne sind erste Ergebnisse der von Burger eingesetzten Kommission "Macht und Missbrauch", der Kirchenmitarbeiter und externe Experten angehören.

Laut der im vergangenen Jahr veröffentlichten bundesweiten Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gibt es im Erzbistum Freiburg bislang Hinweise auf 190 Beschuldigte und 442 Betroffene. Die meisten Übergriffe liegen lange zurück, für die Studie wurden Akten von 1899 bis 2015 ausgewertet. 125 Beschuldigte sind bereits gestorben.

Seit 2011 sechs strafrechtlich nicht relevante Missbrauchsvorwürfe

Die Diözese hat sich verpflichtet, alle Missbrauchsverdachtsfälle an die Staatsanwaltschaft zu melden. Vor kurzem teilte die unabhängige Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Angelika Musella, mit, dass es seit 2011 bistumsweit sechs Meldungen auf aktuelle Missbrauchsvorwürfe gegeben habe. Diese seien alle strafrechtlich nicht relevant gewesen, zumeist sei es um Grenzüberschreitungen gegangen. (KNA)

Linktipp: Missbrauch

2010 wurde erstmals eine größere Zahl von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche in Deutschland bekannt. Seitdem bemüht sich die Kirche um eine Aufarbeitung der Geschehnisse. Bei ihrer Vollversammlung veröffentlichen die deutschen Bischöfe am 25. September 2018 eine Studie, die die Missbrauchsfälle im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz zwischen 1946 und 2014 dokumentiert.