Erzbischof Robert Zollitsch
Deutschland feiert Dankgottesdienste zur Papstwahl

"Franziskus ist Brückenbauer"

Kirche - Die Katholiken in Deutschland haben am Sonntag Dankgottesdienste zur Wahl des neuen Papstes gefeiert. Erzbischof Robert Zollitsch rief die Christen auf, sich von Franziskus ermutigen zu lassen und den Glauben öffentlich zu bekennen. Dann werde "die Wahl des Kardinals aus Argentinien nicht die einzige Überraschung sein, die uns wachrüttelt", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Freiburger Münster.

Bonn - 18.03.2013

Mit Gebeten und Gottvertrauen seien Christen in der Lage, "zur Erneuerung der Kirche beizutragen, wie sie uns heute, in unserer Zeit, nottut".

Als erster Südamerikaner war am Mittwoch, dem zweiten Tag des Konklaves, der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio (76) zum katholischen Kirchenoberhaupt gewählt worden. Mehrere deutsche Bischöfe würdigten vor allem seinen Einsatz für die Armen und das bescheidene Auftreten.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zum neuen Papst Franziskus

Brücke über den Atlantik zu den Armen

Der Papst ist nach Zollitschs Worten "Zeichen der Gemeinschaft und Werkzeug der Einheit". Er habe die Aufgabe, "als Pontifex, als Brückenbauer, zu verbinden, das Miteinander zu stärken und die Einheit in Vielfalt lebendig zu wahren." Papst Franziskus bringt nach Überzeugung des Erzbischofs viele für seine Aufgabe hilfreiche Erfahrungen mit: "Es ist die Brücke über den Atlantik hinweg, zu den weiter entfernten Kontinenten, die er bauen wird. Es ist die Brücke hin zu den Armen und Bedürftigen, die er bereits als Erzbischof in Buenos Aires beschritten hat."

Frischen Wind in der Kirche erwartet der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick vom neuen Papst. "Das Schiff Petri, das - Gott sei Dank - zu einem Ozeanriesen geworden ist, wird schneller und dynamischer werden", sagte Schick im Bamberger Dom. Erstmals leite nun die katholische Kirche ein Papst, dessen Heimat in der südlichen Hälfte der Erdkugel liege. "Die Armen des Südens, die Hungerenden, die Ausgebeuteten, die Versklavten kommen in die Mitte der Welt. Wir dürfen mehr weltweite Gerechtigkeit und mehr Solidarität erwarten, was uns allen gut tun wird."

"Immer mehr Weltkirche werden"

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen betonte, die Wahl des ersten Kirchenoberhaupts aus Lateinamerika zeige die Universalität der katholischen Kirche. "Es ist etwas Wunderbares, dass auf diese Weise deutlich wird: Papst Franziskus hilft uns, dass wir immer mehr Weltkirche werden", so Thissen, der in der Bischofskonferenz für das Entwicklungshilfswerk Misereor zuständig ist. Er nannte es eine bewegende Fügung, dass der erste Sonntag nach der Papstwahl auf den "Misereor-Sonntag" falle, an dem für Notleidende in Entwicklungsländern gesammelt wird. "Die Kirche ist auf der Seite der Armen. Das bedeutet für uns eine Mitverantwortung und Verpflichtung."

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Bischof Gebhard Fürst über den neuen Papst

Weniger Deutschland - mehr Welt

Die Wahl eines Südamerikaners zum Papst macht nach Ansicht des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst deutlich, "wie sehr unsere Kirche Weltkirche geworden ist". Damit einher gehe eine "heilsame Relativierung zu starker deutscher und eurozentrischer Fixierungen", sagte Tebartz-van Elst in Limburg.

Papst Franziskus sei in Südamerika mit großen sozialen Herausforderungen konfrontiert worden und habe sich, ganz in der Spur des heiligen Franz von Assisi, damit identifiziert. In der dortigen Wallfahrtskirche zeige eine beeindruckende Wandmalerei, wie der Heilige die Kirche stütze, so der Limburger Bischof: "Das ist Petrusdienst! So hat ihn Papst Benedikt XVI. gelebt und verstanden, und in dieser Berufung sieht sich Papst Franziskus." (KNA)