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Standpunkt

Frauenordination – ein verbissener Kampf

Sollen Frauen zu Diakoninnen oder sogar Priesterinnen ordiniert werden? Wie man dazu steht, hat auch viel mit eingeübten Geschlechterbildern zu tun, findet Regina Laudage-Kleeberg. Dabei habe das Geschlecht für Jesus nie eine große Rolle gespielt.

Von Regina Laudage-Kleeberg |  Bonn - 29.07.2019

Über die Frage, ob Frauen zu Diakoninnen oder sogar Priesterinnen geweiht werden könnten, wird im Moment mal wieder viel gestritten. Die theologischen Argumente sind ausgetauscht. Sie werden wechselseitig nicht anerkannt. Theologisch scheint es keinen Ausweg zu geben, der für die befürwortende und ablehnende Seite gleichermaßen gesichtswahrend sein könnte.

Betrachtet man diesen Konflikt kultur- oder sozialwissenschaftlich, wird deutlich: Auf der Seite, die die Frauenordination ablehnt, gibt es eine vermeintlich logische Zuordnung der Geschlechter zu Berufs- und Berufungsrollen.

Der Eucharistie vorstehen, das ist etwas Männliches. Und die mit der Priesterweihe verbundenen Privilegien, Macht und Verantwortung in der Kirche zu übernehmen, sind nur für Männer zu erlangen. Dass sich in der Menschheitsgeschichte auf weibliche Gottheiten, auf Kriegsherrinnen und auf Apostelinnen zurückblicken lässt, hilft gegen diese Geschlechter-Stereotypen nicht. Öffentlich gibt niemand gern zu, Vorurteilen anzuhängen. Aber was ist der verbissene Kampf gegen Frauenordination denn dann?

Warum spielt das Geschlecht Jesu als Identitätszeichen für Priester eine so essenzielle Rolle? Er hat es, laut Offenbarung, nicht aktiv eingesetzt. Er hat laut Überlieferung weder geheiratet noch Kinder gezeugt. Seine Wirksamkeit – seine "Fruchtbarkeit" für den Glauben – war offensichtlich keine geschlechtliche, sondern eine spirituelle, intellektuelle, emotionale.

Warum spielt das Geschlecht also diese Hauptrolle als Differenzlinie für die Weihefähigkeit? Der Pädagoge Paul Mecheril vertritt die These der Differenzsensibilität. Grob zusammengefasst bedeutet das: Das Handeln sollte weder differenzblind noch differenzfixiert sein. Wenn es etwa um Aufgaben geht, die von allen (Geschlechtern) ausgeübt werden können, dann sollten sie auch für alle (Geschlechter) geöffnet sein.

Hand aufs Herz, liebe Frauenordination-Gegner (und –gegnerinnen). Sind Sie wirklich der Meinung, dass ein Eucharistievorsteher über ein Y-Chromosom verfügen muss und Gott darauf besteht? Oder fällt es Ihnen einfach schwer, sich vorzustellen, dass sich etwas ändert? Fällt es Ihnen schwer, sich vorzustellen, dass sich die Gruppe der Geweihten um Frauen erweitert?

All das wäre nicht schlimm. Schlimm ist nur, wenn man diese Emotionen nicht reflektiert, sondern ihnen vermeintlich sachliche, wissenschaftliche Argumente vorschiebt.

Von Regina Laudage-Kleeberg

Die Autorin

Regina Laudage-Kleeberg leitet die Abteilung Kinder, Jugend und Junge Erwachsene im Bistum Essen.

Hinweis

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