Schachfigur
Standpunkt

Ihre Exzellenz die Nuntia

Welche Wirkungsmöglichkeiten kann die Kirche Frauen in höheren Ebenen der Hierarchie einräumen, fragt Jeremias Schöder OSB in seinem Kommentar – und skizziert selbst ein mögliches, spannendes Betätigungsfeld.

Von Jeremias Schröder OSB |  Bonn - 06.08.2019

Wer in dieser Kolumne schreiben darf, ist zu Beginn seiner Beitragstätigkeit aufgefordert worden, "meinungsstark" zu sein. Das ist gar nicht immer so einfach, weil sich die Meinungsstärke ja oft umkehrt proportional zur Komplexität des Themas verhält. Nicht selten nutzen die Autoren diese Stelle daher eher, um interessante Reformvorschläge zu unterbreiten. Auch ich tue dies gern, in der stillen Hoffnung, dass über dieses bedeutende Internetportal maßgebliche Entscheider erreicht werden können.

Zuletzt ist häufiger bemerkt worden, dass die katholische Kirche sich schwer damit tut, Frauen eine angemessene Mitwirkungsmöglichkeit in den höheren Ebenen der kirchlichen Hierarchie einzuräumen. Der derzeitige (und wie manche meinen: immerwährende) Ausschluss von Frauen vom Priestertum schränkt hier erheblich ein. Es gibt aber einen Bereich der katholischen Kirche, in dem wichtige Führungspositionen zwar bislang von Klerikern besetzt werden, wo aber die Fähigkeit zur Ausübung der Weihegewalt keine Rolle spielt: die Apostolischen Nuntiaturen.

Als Botschafter vertreten sie das Völkerrechtssubjekt Heiliger Stuhl bei Staaten und internationalen Organisationen. Die Ausübung der sakramentalen Weihegewalt ist dabei nicht erforderlich, abgesehen vielleicht von Exorzismen, über die man aber bislang wenig gehört hat. Die Karriereleitern des diplomatischen Dienstes ließen sich deshalb ohne große Umstellungen sehr schnell für Frauen öffnen. Es dürften allenfalls kleinere Umbauten in der zuständigen römischen Kaderschmiede nötig sein, der sogenannten Päpstlichen Akademie.

Es könnte allerdings sinnvoll sein, den Bewerberkreis weiterhin auf zölibatär lebende Männer und Frauen zu beschränken. Der Nuntius oder die Nuntia bleiben ja üblicherweise auch unter schwierigen Umständen vor Ort, also wenn Kriege nahen, Katastrophen sich ereignen oder Revolutionen ausbrechen. Dieses heroische Zeugnis der päpstlichen Diplomaten lässt sich leichter durchhalten, wenn man nicht auch noch für Ehepartner und Kinder zu sorgen hat.

Viele Länder räumen dem Vertreter des Heiligen Stuhles bis heute den Vorrang vor den anderen Diplomaten ein, so ist der Nuntius häufig etwa der Doyen des diplomatischen Corps. Füllt eine Nuntia diese Funktion aus, so spricht man von der Doyenne.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

Hinweis

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