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Papst Franziskus steht ein heißer Herbst bevor

Mit dem "synodalen Weg" und der Amazonas-Synode steht dem Papst ein heißer Herbst bevor, kommentiert Ludwig Ring-Eifel. Vor allem eine Aufweichung der Zölibatspflicht könnte zu einer innerkirchlichen Zerreißprobe führen.

Von Ludwig Ring-Eifel |  Bonn - 07.08.2019

Ludwig Ring-Eifel

Vieles deutet darauf hin, dass Papst Franziskus im siebten Jahr seines Pontifikats einen heißen Herbst erleben wird. An zwei entfernten Punkten der Weltkirche kommt eine bislang nicht gekannte Dynamik in die von ihm ausgelöste Reformdebatte. Da ist einmal der Start des "verbindlichen synodalen Wegs" in Deutschland. Der Papst hat vorab einen mahnenden Brief geschrieben und davor gewarnt, alle Probleme gleichzeitig lösen zu wollen, zu sehr auf den Beifall der Medien zu schauen und das Heil in organisatorischen Veränderungen zu suchen.

Der Papst fordert die deutschen Katholiken auf, "sich dem zu stellen, was in uns und in unseren Gemeinden abgestorben ist und was der Evangelisierung ... bedarf. Das aber verlangt Mut, denn, was wir brauchen, ist viel mehr als ein struktureller, organisatorischer oder funktionaler Wandel." Aus den Worten des Papstes klingt Skepsis gegenüber einem verkopft wirkenden Projekt der deutschen Amtskirche, in dem er die Freude am Evangelium und am Christsein vermisst. In Rom sprechen Konservative inzwischen von der Sorge, dass der deutsche Sonderweg in eine "Anglikanisierung" führen könnte.

Was sie noch mehr umtreibt, ist freilich ein anderes Projekt, das vom Papst viel kräftigere Unterstützung erfährt als die deutsche Reformdebatte: die im Oktober in Rom tagende Amazonas-Synode. Bei ihr entzündet sich die konservative Kritik an dem Versuch, indigenes, vorzivilisatorisches Denken und christliche Theologie zu vermengen. Darüber hinaus wenden sich die Kritiker vehement gegen den Vorschlag, in dieser entlegenen Gegend künftig auch Verheiratete zu Priestern zu weihen.

Dass diese Idee Schwarz auf Weiß – also nicht bloß indirekt oder in einer Fußnote versteckt – im Arbeitspapier der Synode steht, zeigt, dass die Aufweichung der Zölibatspflicht in greifbare Nähe gerückt ist. Sollte die Synode eine Sonderregelung für Amazonien mehrheitlich empfehlen (und der Papst diese dann auch übernehmen), wird es zu einer innerkirchlichen Zerreißprobe kommen. Und die Fernwirkungen eines solchen Beschlusses auf die Reformdebatte in Deutschland dürften lebhaft sein.

Von Ludwig Ring-Eifel

Der Autor

Ludwig Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

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