Gottes etwas andere Tischordnung
Schwester Christine Klimann über das Sonntagsevangelium

Gottes etwas andere Tischordnung

Ob heute oder zur Zeit Jesu – immer schon wollten Menschen gesehen und geehrt werden. Unsere Autorin Schwester Christine Klimann nimmt sich da nicht aus. Im heutigen Evangelium findet sie die Ermutigung Jesu, dass es auch anders geht.

Von Schwester Christine Klimann |  Rom - 31.08.2019

Impuls von Schwester Christine Klimann

Als ich vor ein paar Tagen wieder nach Rom zurückkam, hatte ich einen wichtigen offiziellen Brief für den Vatikan dabei. Er war offen, sodass die Überbringerin – eine Mitschwester, die mit den vatikanischen Gepflogenheiten vertraut ist – kontrollieren konnte, ob auch alles seine Richtigkeit hatte. Und – o Schreck – der Empfänger wurde im Brief mit "Monsignore" angesprochen, obwohl er ein Bischof ist, dem der Titel "Exzellenz" gebührt. Nicht gut. Die arme Absenderin wird ihren Brief also nochmal mit der Post schicken müssen.

Aber warum erzähle ich diese Geschichte lieber als jene andere, die nur eine Woche älter ist: Während unseres Generalkapitels in Paris traf ich mich für ein Mittagessen mit einer französischen Schwester, die selber nicht beim Kapitel dabei war. Sie fragte mich, ob ich auch für einen der vielen Dienste rund um das Kapitel gekommen wäre. In meinem spontanen "Nein!" muss irgendwie ein Hauch von Entrüstung mitgeschwungen haben, sodass sie sich bemüßigt fühlte, sich zu entschuldigen. Ich hingegen war über mich selbst erschrocken. In meiner etwas ungefilterten Antwort kam wohl zum Ausdruck, dass ich schon gerne als das wahrgenommen werden wollte, was ich war: eine Kapitularin, gewählte Delegierte meiner Provinz.

Vermutlich bin ich im Grunde nicht so viel anders als jener Bischof. Jesus weiß, wie tief der Wunsch sitzt, als diejenige wahrgenommen zu werden, die ich bin oder die ich sein möchte. Und so berührt es mich, wie pädagogisch er mit diesem menschlichen Zug, der so viel in unserem Zusammenleben prägt und oft entstellt, umgeht. Er nimmt ihn ernst und er gibt einen ganz konkreten Rat: Ganz bewusst gegensteuern!

Mir wäre es ja lieber, er würde von einer völlig hierarchiefreien Welt sprechen; aber vermutlich sind die Position und der Rat Jesu realistischer: Wer seinem eigenen Geltungsdrang bewusst und konkret entgegentritt, wird mit der Zeit eine Haltung der inneren Demut und Einfachheit entwickeln. Vielleicht ist es möglich, irgendwann einmal alles Berechnen und Vergleichen sein zu lassen, wie Jesus mit der zweiten Geschichte ausdrückt: Von Gott her wird uns schon das zukommen, was wir brauchen und ersehnen. Dann können wir auf Machtspiele verzichten und müssen nicht Menschen dafür verzwecken, um vor anderen gut dazustehen.

Ich lese das Evangelium als eine Ermutigung zum Üben, immer wieder neu. Das Leben bietet viele Möglichkeiten, dem Bischof genauso wie mir. Und vielleicht darf ich ja in sechs Jahren wirklich wieder zum Generalkapitel fahren – für irgendeinen Dienst.

Von Schwester Christine Klimann

Evangelium nach Lukas (Lk 14,1.7-14)

Jesus kam an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen. Da beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, erzählte er ihnen ein Gleichnis. Er sagte zu ihnen:

Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein! Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen.

Vielmehr, wenn du eingeladen bist, geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Die Autorin

Schwester Christine Klimann gehört zur Kongregation der Helferinnen, ist Pastoralreferentin und studiert in Rom Psychologie.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.