Bischof Franz-Josef Overbeck
Militärbischof für mehr öffentliche Gelöbnisse

Overbeck erwartet "christliches Ethos" von Kramp-Karrenbauer

Seit knapp zwei Monaten ist Annegret Kramp-Karrenbauer neue Verteidigungsministerin. Militärbischof Franz-Josef Overbeck erwartet von der Politikerin, dass sie in ihrem Amt eine christliche Haltung zeigt – und die Seelsorge für alle Soldaten sicherstellt.

Berlin - 09.09.2019

Militärbischof Franz-Josef Overbeck erhofft sich von der im Juli vereidigten Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) eine christliche Haltung im Amt. "Als bekennende Katholikin wird sich die Ministerin klar mit einem bewusst christlichen Ethos in ihr Amt einbringen", sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Kramp-Karrenbauer ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Man werde "auf denselben Ebenen gut, konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten" wie mit den Vorgängern, sagte Overbeck. "Das Ziel unserer gemeinsamen Arbeit ist vor allem das Wohl der Soldaten." Die Ministerin werde ebenso Wert darauf legen, dass sie gut begleitet würden, auch mit Blick auf die Seelsorge, zeigte sich der Bischof überzeugt.

Overbeck: Klare Erwartungen an Militärrabbiner und -imame

Overbeck äußerte zudem klare Erwartungen an einen möglichen Einsatz von Militärrabbinern und -imamen in der Bundeswehr. "Jüdische Militärrabbiner und muslimische Militärimame müssten mit den gleichen Perspektiven und auf dem gleichen Niveau tätig werden wie die evangelischen und katholischen Militärseelsorger." Es sei selbstverständlich, dass die Begleitung der Soldaten auf Grundlage der Religionsfreiheit sichergestellt werde.

Unter den derzeit rund 180.000 Soldaten gebe es etwa 90.000 Christen, um die 3.000 Muslime und nur wenige Hundert jüdische Soldaten. "Das wird eine viel kleinere Zahl an Geistlichen nach sich ziehen, die diesen Dienst leisten können müssen", sagte der Militärbischof mit Blick auf den möglichen Einsatz von Rabbinern und Imamen. Kramp-Karrenbauer müsse die Frage lösen, wie sich eine Begleitung von jüdischer oder muslimischer Seite in die Bundeswehr integrieren lasse. Pläne für die Einstellung von Militärrabbinern und -imamen waren im April bekannt geworden.

Außerdem forderte der Militärbischof mehr öffentliche Gelöbnisse. "Die Soldaten tun ihren Dienst für das Wohl der Gesamtgesellschaft des Staates aber auch der Weltgemeinschaft", begründete er seinen Vorstoß. "Da es sich um einen öffentlichen und auf das Wohl der Menschen ausgerichteten Dienst am Frieden handelt, gehört er natürlich auch in den öffentlichen Raum." Zuvor hatte sich auch Kramp-Karrenbauer für die Ausweitung öffentlicher Gelöbnisse ausgesprochen. (rom/KNA)