Bischof Neymeyr betont Bedeutung der Familie
Sorge um Familie als "große Zukunftsherausforderung"

Bischof Neymeyr betont Bedeutung der Familie

Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr hat bei der Bistumswallfahrt die Bedeutung der Familie als "Lebensschule" betont. Zugleich blickte er zum 25-jährigen Bestehen der Diözese auf die Situation der Kirche in Thüringen.

Erfurt - 15.09.2019

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat die Bedeutung der Familie betont. Sie sei "die Lebensschule, in der wir Menschen lernen, Freisein und Miteinander in Einklang zu bringen", sagte Neymeyr am Sonntag in Erfurt. Die Sorge um Familien sei "die große Zukunftsherausforderung für unsere Gesellschaft und für unsere Kirche". Der Bischof äußerte sich in einer Predigt im Rahmen des zentralen Gottesdienstes der jährlichen Erfurter Bistumswallfahrt.

Für Katholiken sei die Familie nicht nur darauf gegründet, "dass Menschen de facto miteinander leben, sondern auch darauf, dass Gott im Sakrament der Ehe Mann und Frau miteinander verbindet, und dass die Kinder, die sie bekommen, ihnen von Gott anvertraut sind", so Neymeyr weiter. Er sei Papst Franziskus sehr dankbar, dass dieser durch die beiden Bischofssynoden zu Beginn seines Pontifikats und das nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia" die Bedeutung der Ehe- und Familienpastoral hervorgehoben habe. Diese wichtige Aufgabe dürfe nicht verdrängt werden. "Daher danke ich allen, die in unserem Bistum die Eheleute und Familien unterstützen in den Kirchengemeinden, Familienbildungsstätten, Familienberatungsstellen, im Familienbund und besonders in den Kindergärten. Dieses Engagement ist auch ein wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft", erklärte Neymeyr.

Bischof dankt Katholiken der Diözese für ihr Glaubenszeugnis

Der Bischof blickte in seiner Predigt darüber hinaus auf die Geschichte des Bistums Erfurt seit dessen Wiedererrichtung im Jahr 1994 zurück. Dabei dankte er den Katholiken der Diözese für ihr Glaubenszeugnis: "Sie haben 25 Jahre Kirche in Thüringen gestaltet mit Engagement und Gebet, mit persönlichem Glaubenszeugnis und Treue zur Kirche auch in Krisenzeiten, mit Spendenbereitschaft und Unterstützung der Kirche auf allen Ebenen. Ihnen allen rufe ich zu: Vergelt's Gott!"

Die jährliche Erfurter Bistumswallfahrt führte zum Domberg in der thüringischen Landeshauptstadt.

Neymeyr kündigte an, das Bistum in den kommenden Jahren behutsam weiterzuentwickeln. "'Achtsam weiterbauen' das ist unsere Aufgabe! Was bauen wir neu? Was müssen wir abbauen? Was bauen wir zusammen? Wir überlegen gemeinsam, wie wir die Zukunft gestalten", sagte er vor den Gläubigen. In diesem Zusammenhang erwähnte der Bischof unter anderem die beiden Pastoraltage, die das Bistum in den vergangenen Monaten veranstaltet hat. Dabei hatten sich Ehrenamtliche sowie Vertreter der Pfarreien und anderer kirchlicher Einrichtungen in Erfurt und Heiligenstadt mit Zukunftsfragen der katholischen Kirche in Thüringen beschäftigt.

Dankbar für Geschenk des Glaubens und der Freiheit

Mit Blick auf die Diasporasituation in weiten Teilen des Bistums Erfurt sagte Neymeyr: "Katholische Kirche in Thüringen ist keine Massenveranstaltung. Bei uns zählt auch die kleine Zahl." Er freue sich über 200 Jugendliche beim Bistumsjugendtag genauso wie über zwei Messdiener an einem kleinen Kirchort. "Ich sehe nicht nur das, was wir mit unseren Möglichkeiten und Kräften nicht mehr können, sondern ich sehe das, was wir können und was wir tun", so der Bischof.

Das Bewusstsein, dass die Christen in Thüringen eine Minderheit seien, gehöre zur Identität der Gläubigen in der Region. "Hier wissen die Christen, dass es normal erscheint, ohne Glaube, Religion und Kirche zu leben. Das macht dankbar für das Geschenk des Glaubens und der Freiheit der Religionsausübung, das macht sensibel für die Fragen der Atheisten und fördert eine weitere spezifische Identität in unserem Bistum: Die Selbstverständlichkeit des ökumenischen Miteinanders", sagte Neymeyr. (stz)