Bambergs Erzbischof Ludwig Schick spendet als Metropolit die Bischofsweihe.
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In der Welt zuhause, in Bamberg daheim

Erzbischof Ludwig Schick feiert seinen 70. Geburtstag

Mit Ludwig Schick wird ein Bischof 70, bei dem der Blick über den Tellerrand zum Alltag gehört wie bei nur wenigen anderen. Sein Engagement für die Weltkirche zeigt sich immer wieder in Besuchen und Reisen. Ans Aufhören denkt der agile Oberhirte noch lange nicht.

Von Fabian Brand |  Bamberg - 22.09.2019

Früh morgens, um kurz vor 5 Uhr, wenn Bamberg langsam aus dem Schlaf erwacht, dreht Erzbischof Ludwig Schick schon seine Jogging-Runde durch die Straßen und Gassen der Domstadt. Tägliche Routine ist das Laufen am Morgen, ebenso wie die anschließende Eucharistiefeier und Meditation. Manch einem ist der Bamberger Erzbischof nur aufgrund seines ausgeprägten Sportbedürfnisses ein Begriff; auf das jährliche Ablegen des goldenen Sportabzeichens angesprochen, winkt er ab. Das mache er eher nebenbei, denn so viel Zeit könne er sich als Erzbischof gar nicht für den Sport herausnehmen. So ist die sportliche Aktivität des Bischofs auch nur eine der vielen Facetten, die das Leben und Wirken von Ludwig Schick ausmachen. Wenn er am 22. September das 70. Lebensjahr vollendet, kann er auf ein vielfältiges Engagement in unterschiedlichen Bereichen zurückblicken.

Schick wird 1949 im hessischen Marburg als zweites Kind des Steuerinspektors Josef Schick und seiner Frau Auguste geboren, schon bald zieht die Familie in das benachbarte Mardorf. An der Stiftsschule St. Johann in Amöneburg legt Schick 1969 sein Abitur ab. Der eigentliche Berufswunsch ist bis zum Schulabschluss Arzt; bereits einige Praktika, die zum Medizin-Studium notwendig sind, hat Schick im Vorfeld seiner Abiturprüfungen abgelegt. Die Praktikums-Bescheinigungen habe er bis heute aufgehoben, erzählt er einmal. Doch es kommt anders. Von 1969 bis 1975 studiert er Theologie und Philosophie in Fulda und Würzburg; dorthin zieht es ihn vor allem aus Interesse an der neutestamentlichen Exegese, die seinerzeit an der Julius-Maximilians Universität von Rudolf Schnackenburg gelehrt wird. Am 15.06.1975 empfängt Ludwig Schick in Fulda die Priesterweihe, die ihm Bischof Eduard Schick spendet (zwar ein Namensvetter, aber kein Verwandter), anschließend wird er Kaplan im Kreis Fulda. Bereits im folgenden Jahr wird Schick für das Aufbaustudium im Kanonischen Recht freigestellt und siedelt nach Rom über; dort ist er auch als Vizerektor im Priesterkolleg Santa Maria dell‘ Anima tätig. 1980 erfolgt die Promotion im Kirchenrecht mit einer Arbeit über das dreifache Amt Christi und der Kirche, eine Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät der Universität Fulda schließt sich an das Promotionsstudium an. Von 1985 bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof von Bamberg ist Schick schließlich auch Inhaber des Lehrstuhls für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät Fulda.

Außerdem nimmt er viele Ämter in der bischöflichen Kurie wahr: Zunächst arbeitet er im bischöflichen Offizialat, später übernimmt er die Leitung der Stabstelle Kirchenrecht, 1995 wird er Generalvikar. Wiederum nur wenige Jahre später, 1998, ernennt Papst Johannes Paul II. Ludwig Schick zum Titularbischof von Auzia (Algerien) und zum Weihbischof in Fulda; die Bischofsweihe spendet ihm am 12.07.1998 Erzbischof Johannes Dyba. Auch unter dem neuen Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen ist Schick wieder als Generalvikar tätig, allerdings nicht einmal ein gutes Jahr. Denn bereits am 28.06.2002 wird er von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Bamberg berufen.

Das Evangelium: Nicht mehr und nicht weniger

Einen Tag vor seinem 53. Geburtstag findet die feierliche Amtseinführung in Bamberg statt, in der Schick sein Bistum offiziell in Besitz nimmt. Der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, formuliert in seinem Grußwort im Bamberger Dom: "Das Erzbistum Bamberg hat einen mit gerade 53 Jahren jungen tüchtigen, äußerst arbeitsamen und offenen Erzbischof bekommen. Er ist volksnah und geht leicht auf die Menschen zu." Die Freude über den neuen Bischof prägt die Feier, zu der zahlreiche Bischöfe aus dem In- und Ausland in den Kaiserdom gekommen waren. Schick selbst betont seine Verbundenheit mit der Weltkirche, die ihren Ausdruck in der Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus dem Ausland fand. Nach seinem Programm gefragt, dass er als Bischof von Bamberg mitbringe, sagt Schick: "Ich bringe das Evangelium mit, nicht mehr und nicht weniger."

Immer offen für Neues: Erzbischof Schick auf einem E-Scooter.

In seiner mittlerweile 17-jährigen Tätigkeit als Erzbischof von Bamberg muss sich Ludwig Schick mit vielen Bereichen auseinandersetzen. Meilensteine sind sicherlich die Inkraftsetzung des Pastoralplanes "Den Aufbruch wagen" im Jahr 2005 und die Errichtung von 96 Seelsorgebereichen am Pfingstfest 2006. Im September desselben Jahres wird Schick die Leitung der Kommission X "Weltkirche" der Deutschen Bischofskonferenz übertragen; ein Amt, das er bis heute innehat. Aus seinem Engagement für die Weltkirche ist auch die Bistumspartnerschaft zwischen Bamberg und Thiès im Senegal erwachsen, die am 22.09.2007 offiziell ins Leben gerufen wird. In die Amtszeit von Ludwig Schick fallen auch zwei große Feierlichkeiten: Einerseits das 1000jährige Bistumsjubiläum im Jahr 2007, das ein ganzes Jahr lang mit zahlreichen Veranstaltungen begangen wird. Und nur fünf Jahre später wird am 06. Mai 2012 das Gedenken an die Weihe des ersten Bamberger Domes vor 1000 Jahren gefeiert. Zwei Feiern, zu denen wiederum unzählige Gäste nach Bamberg kommen. Der 60. Geburtstag von Ludwig Schick ist für ihn vor allem ein Grund, um an andere zu denken und daher errichtet er an diesem Tag die Stiftung "Brot für alle Menschen", mit deren Mitteln vor allem die Hilfe in Katastrophengebieten in den Entwicklungsländern unterstützt wird. Aus Anlass seines Jubiläums sagt Schick: "Ich möchte die restlichen Jahres meines Lebens immer mehr dafür einsetzen, dass Gottes Weisheit zu allen Menschen kommt und dass das Leben Jesu Christi in Fülle allen zuteilwird."

Einziger Deutscher bei Afrika-Synode

Sein weltkirchliches Engagement führt Schick nicht nur immer wieder in die unterschiedlichsten Länder dieser Welt. Als einziger deutscher Bischof nimmt er auch im Oktober 2009 an der Afrika-Synode teil. Dass Ludwig Schick Freundschaften in der ganzen Welt pflegt zeigt sich, wenn regelmäßig ausländische Gäste den Bamberger Erzbischof begleiten und bei den Gottesdiensten konzelebrieren. Unter den engen weltkirchlichen Freunden findet sich auch der guatemaltekische Bischof Alvaro Ramazzini, der kürzlich von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt wurde. Immer wieder äußert sich Schick zu Missständen in aller Welt, aber auch vor innerkirchlichen Themen schreckt der Erzbischof nicht zurück. Besonders in der aktuellen Debatte um den Zölibat bezog Schick klar Stellung: "Ich denke, die Lösung könnte die Dispens sein. Der Zölibat bleibt für das Priesteramt, aber bewährte Männer können durch Dispens davon entbunden werden." Aber auch beim Thema Missbrauch findet er schon sehr früh deutliche Worte: "Diese Eiterbeule muss aufgestochen werden, es muss alles heraus, damit Heilung geschehen kann."

Wenn Ludwig Schick nun seinen 70. Geburtstag feiert, dann ist damit noch nicht das Ziel erreicht. Als Bischof ist es die Regel, dass man erst mit Vollendung des 75. Lebensjahres das Rücktrittsgesuch beim Papst einreicht. Dass Schick solche Gedanken fremd sind, merkt man beim Blick in seinen Terminkalender: Neben unzähligen Firmungen und Pfarreibesuchen stehen sicher auch wieder Reisen in ferne Länder an. Nicht einmal seinen eigenen Geburtstag kann er ausgiebig feiern, denn tags darauf beginnt die Herbsttagung der Deutschen Bischofskonferenz. Traditionell findet diese in Fulda statt, am Grab des heiligen Bonifatius. Eigentlich ein schöner Zufall. Denn Bamberg und Fulda sind wohl die beiden Städte, mit denen Schick am engsten verbunden ist. Und obwohl es ihm die Weite der Weltkirche angetan hat, bleibt er doch eng mit seiner Heimat verbunden: "Heimat bedeutet für mich, da sind Menschen, die mich mögen und die ich mag, Menschen, die man gerne und aus freien Stücken heraus trifft." Ob am Grab der heiligen Heinrich und Kunigunde oder in der Bonifatiusgruft: Beides sind für Schick wichtige Orte des Gebetes, um sich selbst mit dem Evangelium konfrontieren zu lassen und seine Botschaft mutig und immer neu zu verkünden.

Von Fabian Brand