Erzbischof Robert Zollitsch am Mikrofon
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Erzbischof Zollitsch zur Freiburger Diözesanversammlung

Auf in die Zukunft

Erzbistum Freiburg - Religion in der säkularen Gesellschaft, Frauen in der Kirche, den christlichen Glauben an Kinder und Jugendliche weitergeben - die Bandbreite von Zukunfts- und Reformfragen in der katholischen Kirche ist groß. Kommende Woche, ab 25. April, findet erstmals seit 1991 eine Freiburger Diözesanversammlung statt. Erzbischof Robert Zollitsch beschreibt im Interview die Inhalte und Ziele des Treffens mit rund 300 Delegierten.

Freiburg - 17.04.2013

Frage: Herr Erzbischof, welche Themen und Reformfragen will die Diözesanversammlung beraten?

Zollitsch: Seit Herbst 2010 haben sich unzählige Gemeinden, Gruppen, Kreise, Verbände und auch Einzelpersonen mit ihren Ideen und Anregungen in den Dialogprozess zur Zukunft der Kirche eingebracht.

Fachleuten aus Theologie und Seelsorge haben all diese Überlegungen gesichtet und gebündelt. Dabei haben sich elf Themen herauskristallisiert, die wir auf der Diözesanversammlung beraten werden: Da geht es etwa mit Blick auf die Caritas als Kernelement von Kirche um die Frage, was wir tun können, damit Nächstenliebe und Zuwendung zu unseren Mitmenschen nicht nur an Profis in Sozialstationen und Pflegeheimen delegiert werden, sondern das Gesicht unserer Kirche vor Ort prägen.

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Wichtig ist auch die Frage, wie es uns gelingt, unseren Glauben in einer säkularen und pluralen Gesellschaft zu leben und so weiter zu geben, dass sich Menschen für die Botschaft des Evangeliums begeistern - gerade auch diejenigen, die nicht oder nicht mehr mit der Kirche in Kontakt sind. Ebenso wird es um die Zusammenarbeit von Frauen und Männern, von Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen in der Kirche gehen.

Frage: : Wie groß sind die Entscheidungsspielräume etwa bei Fragen nach der Rolle von Frauen in der Kirche oder im Umgang mit Geschiedenen mit Blick auf die eindeutige Haltung des Vatikan?

Zollitsch: Es geht nicht um die Größe von Spielwiesen, sondern um zentrale und ernste Fragen auf dem Weg unserer Kirche in die Zukunft. Unser gemeinsames Ziel der Beratungen kommt im Leitwort der Diözesanversammlung prägnant zum Ausdruck: «Christus und den Menschen nah» - darum bemüht sich der Bischof von Rom genauso wie die Kirche von Freiburg. Dabei ist klar: Wir wollen keine Glaubensgrundsätze wie den der Unauflöslichkeit der Ehe verhandeln, sondern die heutige gesellschaftliche Situation nüchtern wahrnehmen und dann aus dem Glauben heraus Antworten finden, wie wir etwa in der Seelsorge mit der steigenden Zahl von Menschen umgehen, deren Ehe gescheitert ist.

Oder wie wir Erfahrungen und Sichtweisen von Frauen stärker einbeziehen können, um unserem Auftrag als Kirche besser gerecht zu werden. Ich denke, da haben wir als Kirche in Deutschland erhebliche Gestaltungsmöglichkeiten.

Frage: Was unterscheidet die Diözesanversammlung etwa von einer politischen Klausurtagung? Was ist das spezifisch kirchlich-religiöse?

Zollitsch: Die Diözesanversammlung wird geprägt sein von einer ausgewogenen Balance zwischen Spiritualität und Meinungsaustausch, zwischen Zeiten des Gebets und Zeiten der Diskussion, von Gottesdienst und Beratung. Wer Christus und den Menschen nah sein will, muss sich öffnen für Gott und seinen Mitmenschen, muss bereit sein, die Perspektive des Anderen einzunehmen und nicht - wie wir das von der Politik weitgehend gewohnt sind - mit allen Mitteln versuchen, die eigene Meinung durchzusetzen.

Bei der Diözesanversammlung ist es uns wichtig, eine möglichst breite Übereinstimmung zu erzielen, um dann zu konkreten Empfehlungen zu kommen. Ich habe dann als Bischof die Verantwortung, diese Empfehlungen aufzunehmen und zu schauen, wie sie umgesetzt werden können.

Frage: Kann der neu gewählte Papst Franziskus der Versammlung noch einmal neue inhaltliche Impulse geben?

Zollitsch: Sicher gibt Papst Franziskus der Diözesanversammlung Rückenwind: Nicht nur durch seine erkennbare Nähe zu Christus und den Menschen und sein klares Eintreten für Barmherzigkeit, für die Menschen am Rand, die oft überhört und übersehen werden in einer auf Leistung und Effizienz getrimmten Gesellschaft. Und Papst Franziskus öffnet zugleich unsere Augen für die zentrale Bedeutung und die Kraft des Gebetes.

Frage: Was sollte am Ende der vier Tage stehen, damit Sie die Versammlung als Erfolg bewerten?

Zollitsch: Wenn die 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich als tragende Gemeinschaft des Glaubens erfahren, wenn sie spüren, dass jeder und jede wichtig ist und sich einbringen kann, wenn nicht der Kampf um Redeanteile, sondern der Wunsch im Vordergrund steht, auf den anderen und auf Gott zu hören. Dann ist ein erstes wichtiges Ziel erreicht, weil wir dann spüren, was es heißt, Christus und den Menschen nah zu sein. Aus dieser Haltung heraus wird es gelingen, neue Impulse und konkrete Vorschläge zu einzelnen Themen zu entdecken, die unsere Kirche in die Zukunft führen. Die Beratungsergebnisse werde ich sorgfältig prüfen und - wo dies möglich ist - mit und in der Gemeinschaft des Glaubens der Kirche von Freiburg auch umsetzen.

Von Volker Hasenauer (KNA)