Türkische Militäroffensive in Nord-Syrien
Kirchen kritisieren Offensive – Armenisches Patriarchat solidarisch mit Türkei

Nordsyrien-Konflikt: Papst fordert "wirksame Lösungen"

Seit einigen Tagen läuft eine türkische Militäroffensive gegen kurdische Milizen im Nordsyrien. Kirchen und Hilfswerke sorgen sich um die Christen, die in der Region leben. Papst Franziskus etwa ruft zum Dialog auf. Doch es gibt auch andere Stimmen.

Bonn/Vatikanstadt - 13.10.2019

Papst Franziskus hat eine schnelle Lösung im Syrien-Konflikt angemahnt. "Alle involvierten Akteure und auch die internationale Gemeinschaft rufe ich erneut auf – bitte, setzt euch ernsthaft und transparent für einen Weg des Dialogs ein, um wirksame Lösungen zu finden", sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag bei seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Aus Syrien gebe es wieder dramatische Nachrichten, besonders aus dem Nordosten des Landes, so Franziskus. Auch viele Christen dort seien gezwungen, aufgrund von Militäreinsätzen ihre Heimat zu verlassen.

Der katholisch-chaldäische Vikar im syrischen Hassaka, Nidal Thomas, warnte vor einem Exodus der Christen. "Wenn Erdogan nicht aufhört, werden alle verbleibenden Christen fliehen. Wir bitten um Intervention, um diese Tragödie zu verhindern", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Innerhalb von wenigen Tagen hätten hunderttausend Menschen ihre Heimat verlassen.

Auch das katholische Hilfswerk missio Aachen zeigte sich alarmiert über die Lage der armenischen, aramäischen und assyrischen Christen, die im Nordosten Syriens leben. Ihre Vorfahren haben sich laut missio Aachen am Ende des Ersten Weltkriegs nach der Ermordung und Vertreibung aus Ostanatolien dort niedergelassen. Nun befürchteten sie eine türkische Herrschaft. Wenn die Türkei zudem tatsächlich sunnitische Flüchtlinge in Nordsyrien ansiedeln werde, sei zu befürchten, dass das fragile Verhältnis zwischen den Religionsgemeinschaften und Ethnien aus dem Gleichgewicht gerate.

Armenisches Patriarchat solidarisch mit "Operation Friedensquelle"

Unterdessen erklärte das Armenische Patriarchat von Konstantinopel seine Solidarität mit der türkischen Militäroffensive. "Wir beten, dass die Operation Friedensquelle, die das Ende des Terrorismus und die Sicherheit unserer Grenzen zum Ziel hat, so bald wie möglich ihr Ziel erreicht und Frieden herstellt", erklärte der Vorsitzende des Armenischen Patriarchats, Erzbischof Sahak Masalyan.

Die Erklärung steht im Gegensatz zur Erklärung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK). Dessen Generalsekretär Olav Fykse Tveit zeigte sich "sehr besorgt". Der ÖRK verurteilte den Militäreinsatz entschieden. Dagegen sagte Masalyan, leider könne der Frieden nicht immer mit friedlichen Mitteln erreicht werden.

Nach dem Abzug der US-amerikanischen Truppen hatte das türkische Militär am vergangenen Mittwoch eine Offensive gegen die syrische Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien gestartet. Am Sonntag wurden laut Medienberichten zwei grenznahe Städte im Nordosten Syriens unter Beschuss genommen. International gibt es Kritik an dem Einsatz; Deutschland und Frankreich schränkten in der Folge ihre Waffenexporte in die Türkei ein. Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen rund 400.000 Menschen in den umkämpften Gebieten Hilfe und Schutz. (KNA)