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Priesterweihe auf Zeit – Eine schwer umsetzbare Idee

Die Priesterweihe zeitlich begrenzt zu spenden – das ist der Vorschlag eines Würzburger Pfarrers gegen den Priestermangel. Roland Müller findet diese Idee interessant und überlegt, wie und ob sie sich überhaupt umsetzen ließe.

Von Roland Müller |  Bonn - 15.10.2019

Roland Müller, katholisch.de

Die Priesterweihe nicht für das ganze Leben, sondern auf Zeit zu spenden – das fordert der Würzburger Hochschulseelsorger Burkhard Hose in seinem neuen Buch. "Ich weiß, der Vorschlag ist provokant", gab Hose, der selbst Priester ist, am Sonntag in einem Interview zu. Doch er wolle dafür werben, "mit viel Fantasie über andere Formen des Amtes" zu sprechen, "ohne gleich die Kirche untergehen zu sehen".

Hoses Vorschlag ist ein interessanter Ansatz zur Lösung des Priestermangels in der Kirche. Die Rechnung ist dabei denkbar einfach: Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich geändert, heute legen sich die wenigsten Menschen gerne fest – weder beruflich noch privat. Auf die Auslebung ihrer Sexualität wollen sie dauerhaft am liebsten auch nicht verzichten. Darauf muss die Kirche reagieren und die Weiheämter zeitlich befristet spenden.

Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass sich dieser Vorschlag theologisch nur schwierig umsetzen lässt: Denn nach kirchlicher Lehre hinterlassen die Sakramente, zu denen auch die Weihe gehört, ein untilgbares Prägemal an den Personen, die sie empfangen. Taufe, Firmung und die drei Stufen des Weihesakraments sind daher unwiederholbar. So wie es kein "Christ-Sein auf Probe" gibt, ist auch kein "Priester-Sein auf Probe" möglich, argumentiert die Kirche.

Es gibt jedoch auch Priester, die auf eigenen Wunsch oder infolge von kirchenrechtlichen Strafurteilen aus dem Klerikerstand entlassen wurden und daher nicht mehr an die Anforderungen eines priesterlichen Lebens gebunden sind, wie die Verrichtung des Stundengebets und die Einhaltung des Zölibats. Von außen betrachtet erscheinen sie wie "ehemalige Priester", auch wenn die Kirche betont, dass bei ihnen das Prägemal ihrer Weihe nicht ausgelöscht ist.

Rein theoretisch wäre diese Praxis auch auf Hoses Idee anwendbar: Wer sich nur für eine bestimmte Zeit zum Priestertum berufen fühlt, empfängt das Weihesakrament, bittet seinen Bischof aber nach einigen Jahren um die Entbindung von den priesterlichen Pflichten – natürlich nach Absprache, die bereits im Vorfeld der Weihe erfolgt sein müsste. Damit wäre der Geweihte frei, einem anderen Beruf nachzugehen und zu heiraten.

Zu einer Umsetzung von Hoses Vorschlag in dieser Weise wird es wohl eher nicht kommen, denn die Entlassung aus dem Klerikerstand stellt die Ausnahme und nicht die Regel dar. Doch in diesem Punkt querzudenken, kann neue Perspektiven aufzeigen – und vielleicht irgendwann auch zu realisierbaren Ideen führen.

Von Roland Müller

Der Autor

Roland Müller ist Redakteur bei katholisch.de

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