Hilfswerk "Kirche in Not" stellt Dokumentation über bedrängte Christen vor

Schluss mit der Verfolgungs-rhetorik

Aktualisiert am 23.04.2013  –  Lesedauer: 
Schluss mit der Verfolgungs-rhetorik
Bild: © Kirche in Not
Christenverfolgung

Berlin ‐ Um die Unterdrückung der Christen im Nahen Osten zu überwinden, müssten die verschiedenen Konfessionen "eine gemeinsame politische Vision" entwickeln. Dies sagte der Präsident von Caritas Libanon, Simon Faddoul, am Dienstag in München, wo er die Dokumentation "Christen in großer Bedrängnis" des Hilfswerks "Kirche in Not" vorstellte. Zudem müssten sie aus ihrer selbst verschuldeten Isolation heraustreten.

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Faddoul beklagte, dass sich die christlichen Gemeinden im Nahen Osten aufgrund interner Abspaltungen zu sehr auseinandergelebt hätten, um gemeinsam zu agieren. Zudem ermahnte er christliche Politiker und Kirchenobere zu neuem Denken: "Statt zu klagen und sich zu beschweren, sollten sie konkrete Anstrengungen unternehmen, aus den Minderwertigkeits-, Minderheits- und Verfolgungskomplexen in ihren Reden und Positionen auszubrechen." Dies und politische Einflussnahme auf Regierungsebene könne den Christen dabei helfen, in ihren Heimatländern bleiben zu können – dabei nahm er insbesondere Deutschland in die Pflicht.

Syrienkonflikt verschärft die Lage zusätzlich

Der Caritas-Präsident räumte ein, dass die Lage der Christen im Nahen und Mittleren Osten alles andere als rosig sei - wie auch die Entführung der beiden orthodoxen Bischöfe am Dienstag in Syrien zeigt. Auch der Bericht weist die Länder in Nordafrika, auf der arabischen Halbinsel und am Persischen Golf als die größten Problemfelder in Sachen Religionsfreiheit aus – insbesondere der Syrienkonflikt verschärfe die Lage, da auch dieser religiös aufgeladen sei.

Die Beteiligung von Dschihad-Kämpfern am Bürgerkrieg und die daraus resultierende Angst vor einem islamistischen Regime nach dem Sturz Assads sorgten dafür, dass viele Christen in ihrer Heimat keine Zukunft für sich sähen.

Doch auch in China und Teilen Südostasiens – insbesondere Vietnam – werde die Religionsfreiheit massiv eingeschränkt. Dort seien es vor allem staatliche Akteure, die aus Angst vor Einflussnahme aus dem Ausland (Vatikan) die Religionsfreiheit für Christen einschränkten.

Für den Bericht analysierten die Mitarbeiter von "Kirche in Not" wissenschaftliche Untersuchungen, Nachrichten und Interviews mit Menschenrechts- und Hilfsorganisationen, um den Grad der faktisch gewährten Religionsfreiheit in mehr als 130 Ländern einzuschätzen.

Dabei bewerteten sie den rechtlichen Rahmen und das konkrete Handeln politischer und staatlicher Akteure. Exemplarische Einzelfälle wie Gewalttaten gegen Gruppen oder Einzelpersonen flossen ebenfalls mit ein. (mir)