Ein Mensch betrachtet das Gemälde "Die Verspottung Christi" kurz vor der Versteigerung.
Cimabues Meisterwerk erzielt das Sechsfache des Schätzpreises

"Verspottung Christi" für 24 Millionen Euro versteigert

Der Zufallsfund aus einer französischen Küche ist versteigert worden: Die "Verspottung Christi" des italienischen Meisters Cimabue war auf vier bis sechs Millionen Euro geschätzt worden, doch der Preis stieg und stieg – bis der Hammer fiel.

Senlis - 28.10.2019

Das Gemälde "Die Verspottung Christi" des italienischen Vorrenaissance-Malers Cenni di Pepo, genannt Cimabue, ist für über 24 Millionen Euro versteigert worden. Der Londoner Kunsthändler Fabrizio Moretti habe das Werk stellvertretend für zwei anonyme Sammler erstanden, berichtet die US-Zeitung "The New York Times" am Sonntag. Der Preis, den Moretti als "hoch, aber angemessen" beschrieb, macht es zum siebtteuersten Gemälde Alter Meister weltweit.

"Cimabue steht am Anfang von Allem. Er ist der Startpunkt moderner Kunst. Als ich das Bild in Händen hielt, kamen mir die Tränen ", so Moretti weiter. Dies sei die wichtigste Entdeckung altmeisterlicher Kunst der letzten 15 Jahre. Das Werk hatte jahrzehntelang unbeachtet im Haus einer 90-jährigen Französin gehangen. Eine Auktionatorin entdeckte das Bild über der Küchenzeile zufällig bei einer Schätzung des Hausrats vor einem Monat. Zunächst war es auf vier bis sechs Millionen Euro geschätzt worden. Das Auktionshaus teilte laut "Zeit Online" mit, dass die ältere Dame den Großteil des nun erzielten Millionenbetrages erhalten werde.

Das kaum 25 mal 20 Zentimeter messende Gemälde zeigt Christus umringt von einer Menschenmenge. Der Goldgrund auf dem die Personen abgebildet sind, verrät noch den großen Einfluss der byzantinischen Ikonenmalerei auf die Kunst in Westeuropa. Doch die Gesichter in der Menge – grimmig und voller Abscheu gegen Christus – sind der Grund, warum Cimabue als "Vater der westlichen Malerei" gilt. Er war im 13. Jahrhundert der Erste, der sich vom strengen Formalismus und den durch Dogmen festgelegten Bildwelten des Ostens löste. Der Lehrer Giotto di Bondones versuchte, Bewegung darzustellen, Emotionen und – wie die schiefen Dächer im Hintergrund der "Verspottung" verraten – auch Perspektive. Das nun versteigerte Werk ist weltweit erst das zwölfte, das dem Künstler einwandfrei zugeordnet werden konnte. (cst)