Priester verweigert US-Präsidentschaftsbewerber Biden die Kommunion
Weil er sich für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch einsetzt

Priester verweigert US-Präsidentschaftsbewerber Biden die Kommunion

Als Joe Biden am Sonntag in die Messe ging, bekam er keine Eucharistie – wegen seiner politischen Positionen. Der örtliche Priester beruft sich in seiner Entscheidung auf das Kirchenrecht.

Florence - 29.10.2019

Dem demokratischen US-Politiker und ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden ist während einer Messe am Sonntag die Eucharistie verweigert worden. Ein Priester im Bundesstaat South Carolina habe dem Präsidentschaftsbewerber die Kommunion mit Verweis auf dessen Positionen gegenüber Schwangerschaftsabbrüchen vorenthalten, berichtete zuerst die örtliche "South Carolina Morning News" am Montag. Der bekennende Katholik Biden hat sich zu dem Fall noch nicht geäußert.

"Die heilige Kommunion bedeutet, dass wir mit Gott, miteinander und der Kirche eins sind. Unsere Taten sollten das widerspiegeln", begründete der Priester sein Handeln. "Jede Person der Öffentlichkeit, die sich für Abtreibungen einsetzt, bewegt sich außerhalb der Kirchenlehre." Der Pfarrer wolle Biden jedoch weiterhin in seine Gebete einschließen.

Biden ist zwar persönlich gegen Schwangerschaftsabbrüche, setzt sich politisch aber für ein Recht darauf ein. Den in den USA derzeit nur durch einen Richterspruch geregelten Status Quo zu Abtreibungen will er auch gesetzlich festhalten. Zudem will er die Möglichkeit für Abtreibungen auch durch Bundesmittel ermöglichen, sollte er zum Präsidenten gewählt werden.

Die katholische Kirche setzt sich dagegen für einen Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ein. Laut Canon 912 des Kirchlichen Gesetzbuchs ist jeder Katholik, "der rechtlich nicht daran gehindert ist", zur heiligen Kommunion zugelassen. Die Kommunion kann allerdings verweigert werden, wenn die Gefahr besteht, dass der Empfang einen "Anstoß" für die anderen Gläubigen darstellen könne. Gemeint sind Personen, die im Zustand "einer offenkundigen schweren Sünde verharren" (vgl. can. 915 CIC) oder einer Häresie oder einem Schisma anhängen. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, später Papst Benedikt XVI., schrieb 2004 an die Bischöfe der USA, dass die positive Haltung eines Politikers zu Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe einen solchen Fall darstelle. In der Vergangenheit wurde katholischen Politikern in den USA deshalb immer wieder die Kommunion verwehrt. (cph)