Der emeritierte Papst Benedikt XVI. im Februar 2014
Dokumentation "zeichnet insgesamt ein stark verzerrtes Bild"

Deutsche Bischofskonferenz kritisiert Film über Benedikt XVI.

Der neue Dokumentarfilm "Verteidiger des Glaubens" über Benedikt XVI. stößt in Kirchenkreisen auf zum Teil scharfe Kritik. Jetzt hat sich auch die Deutsche Bischofskonferenz zu dem Film geäußert – und nimmt den emeritierten Papst gegen die dortige Darstellung in Schutz.

Bonn - 31.10.2019

Die Deutsche Bischofskonferenz kritisiert den neuen Kinofilm "Verteidiger des Glaubens" von Christoph Röhl. Der Dokumentarfilm sei kein konstruktiver Beitrag zur Aufdeckung sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche, erklärte Sprecher Matthias Kopp am Donnerstag in Bonn zum deutschen Kinostart: "Der Film zeichnet insgesamt ein stark verzerrtes Bild von Kardinal Joseph Ratzinger/Benedikt XVI." Dass es dem Glaubenspräfekten und späteren Papst "immer nur um die Reinheit der Kirche und des Priestertums, nie um die Opfer" gegangen sei, bezeichnete Kopp als "eigenwillige und fehlerhafte Interpretation". Auch gehe es "an der Sache vorbei", in Ratzingers Theologie eine der Ursachen für Missbrauch oder Vertuschung sehen zu wollen.

Nach den Worten des Sprechers der Bischofskonferenz war Ratzinger "über Jahrzehnte eine treibende Kraft gegen Missbrauch". Kopp erinnerte an dessen Einsatz für die kirchenrechtliche Definition des Verbrechens Missbrauch, die Schaffung einer speziellen Strafkammer und die Bestrafung von mehr als 380 Tätern durch Entfernung aus dem Klerikerstand: "Diese Aspekte werden im Film nicht angemessen gewürdigt." Auch habe sich Benedikt XVI. als erster Papst überhaupt auf mehreren Reisen mit Opfern sexuellen Missbrauchs getroffen, etwa im September 2011 in Erfurt. "Dieser Umstand wird verschwiegen, was den Film unseriös macht", so Kopp. Es sei bedauerlich, dass die Chance zu einem historisch-kritischen Porträt über Papst Benedikt XVI. verpasst worden sei.

Scharfe Kritik bereits im Vorfeld

Zuvor hatte bereits das Bistum Regensburg die Benedikt-XVI.-Dokumentation kritisiert. Der stellvertretende Leiter des bistumseigenen Instituts Papst Benedikt XVI., Christian Schaller, nannte den Kinofilm "tendenziös und manipulativ". Besonders kritisierte er, der Film habe wichtige Fakten ausgelassen. Kritik am Film kommt ebenfalls vom Publizisten Peter Seewald. Die Arbeit sei eine "Sammlung von Polemiken, Halb- und Unwahrheiten" und "als Diskussionsbeitrag nicht ernst zu nehmen", sagte er im Interview mit der "Tagespost" am Donnerstag.

Im Vorfeld hatte bereits Kurienerzbischof Georg Gänswein den Film kritisiert. "Das ist eine Sauerei, ein Debakel - ich kann es nicht anders sagen", sagte der Privatsekretär des emeritierten Papstes. Er könne vor diesem "geschickt gemachten", "nicht objektiven", "miserablen" Film nur warnen. Auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hatte Benedikt XVI. gegen den Vorwurf verteidigt, dieser habe sich dem Thema Missbrauch nicht entschieden genug gestellt. Schönborn sagte, wer dies behaupte, erkenne die Fakten nicht an. (tmg/KNA)