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"Viri probati" und Frauenweihe – Bruch oder Weiterentwicklung?

Die Amazonas-Synode hat den Papst aufgefordert, "viri probati" für das Priesteramt zuzulassen und neue Ämter für Frauen einzurichten. Martin Rothweiler sieht das kritisch und warnt vor einem Bruch mit der Tradition der Kirche.

Von Martin Rothweiler |  Bonn - 05.11.2019

Die Amazonas-Synode wird auch am Rhein und an der Donau die Gemüter noch weiter beschäftigen. Es war eine regionale Synode mit offensichtlich universaler Bedeutung. Sonst hätte Papst Franziskus die Bischöfe aus Lateinamerika nicht eine so weite Strecke fliegen lassen, wohl schon aus ökologischen Gründen nicht. Bei meiner eigenen Flugreise zurück von Rom meldete der Pilot: "Wir sind voll besetzt. Sie können ein ruhiges ökologisches Gewissen haben. Sie verbrauchen nur 2,5 Liter – Kerosin meinte er wohl – auf 100 km." Da ich zwischenlanden musste und die Reststrecke nur zu einem Drittel besetzt war, kann man sich leicht meinen Gewissenszustand vorstellen.

Die Kirche ist zwar keine Klima-Expertin, aber dass sie – angesichts der drohenden irreversiblen Schäden für das Weltklima – die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung weltweit in Erinnerung ruft und auf die sozio-ökonomischen Verwerfungen für die indigene Bevölkerung Amazoniens aufmerksam macht, ist gut. Aber nicht das Synoden-Thema "Integrale Ökologie" und der damit verbundene Gewissensappell genießen hierzulande besondere Aufmerksamkeit. Vielmehr sind es die Themen, die mit den "neuen Wegen für die Kirche" und den extremen pastoralen Herausforderungen Amazoniens zu tun und Eingang in das Schlussdokument gefunden haben. Es sind neben dem Thema der Synodalität vor allem die Forderungen nach "viri probati" und dem "ständigen Diakonat" der Frau, weshalb wohl vor der Synode gemutmaßt wurde, dass nach der Synode nichts mehr so sein werde wie zuvor.

Sollte es zum Frauendiakonat als Weiheamt und damit über kurz oder lang auch zum Frauenpriestertum kommen, dann steht wohl die Einheit der Kirche auf dem Spiel. Denn was für die einen nur eine Weiterentwicklung der Lehre ist – "wir leben ja schließlich im 21. Jahrhundert" –, ist für die anderen ein klarer Bruch der Lehrtradition. Letztere haben wohl das entscheidende Argument auf ihrer Seite. Der heilige Johannes Paul II. ist in der Verbindlichkeit der Lehre in seinem Apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" nicht misszuverstehen: "Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben."

Noch steht ein Stein auf dem anderen, weil das Schlussdokument der Amazonas-Synode dem Papst nur als Vorschlag und Input für seine postsynodale Apostolische Exhortation dient, die er für Ende des Jahres angekündigt hat. Noch hat die vom Papst 2016 eingesetzte "Kommission zum Studium des Frauendiakonats" für die Mehrheit der Synodenväter nicht das "gewünschte Ergebnis" gebracht. Deswegen soll sich laut Schlussdokument die Kommission erneut damit befassen. Und Papst Franziskus hat angedeutet, möglicherweise neue Mitglieder zu berufen.

Bruch oder Weiterentwicklung? Eine Hilfe sollte uns dabei der heilige John Henry Newman sein, der bei seiner unverbrüchlichen Wahrheitssuche auf die Kirchenväter schaute und die anglikanische Kirche verlassen hat. Heute wollen indes nicht wenige auch über den "synodalen Weg" Neuerungen in die katholische Kirche einführen, die in den USA die anglikanische Kirche in die Bedeutungslosigkeit getrieben haben. Was müssen wir bewahren und was nicht? Auch das ist eine Gewissensfrage, wie wir von Kardinal Newman lernen können.

Eine Nachbemerkung sei erlaubt: Denen, die sich Sorgen machen um die Bewahrung der Lehre und die Treue zu Christus gemäß Schrift und Tradition wird innerhalb der Kirche nahezu reflexartig Ängstlichkeit, Rigidität und eine Distanz zur Lebenswirklichkeit unterstellt. Solche Motiv-Unterstellungen tragen nicht wirklich zur Wahrheitsfindung bei. Warum gilt da nicht auch: "Who am I to judge?" – "Wer bin ich, darüber zu urteilen?"

Von Martin Rothweiler

Der Autor

Martin Rothweiler ist der Programmverantwortliche des katholischen Fernsehsenders EWTN Deutschland.

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