Bürgermeister kritisiert Trierer Pfarreienreform – Bistum wehrt sich
Brief an Bischof Stephan Ackermann

Bürgermeister kritisiert Trierer Pfarreienreform – Bistum wehrt sich

"Was da geplant ist, ist absurd" und ein "Schritt zur Abschaffung der Kirche vor Ort": Ein Saarländer Bürgermeister übt in einem Brief an Bischof Stephan Ackermann deutliche Kritik an der Trierer Pfarreienreform. Das Bistum antwortet.

Illingen/Trier - 04.11.2019

Das Bistum Trier hat die Kritik aus dem Saarland an der Einteilung der künftigen Großpfarreien zurückgewiesen. Die Entscheidung für den Raumzuschnitt sei nach einer Rückmeldephase getroffen worden, "an der sich jede und jeder beteiligen konnte", teilte das Bistum am Montag mit. Auch Pfarrer und andere Gremien seien gehört worden. Diese Rückmeldungen seien bei der Gliederung berücksichtigt worden. Mit dem im Oktober erlassenen Gesetz ist der Zuschnitt der neuen Großpfarreien demnach beschlossen, Änderungen soll es nicht geben.

Der Illinger Bürgermeister Armin König (CDU) hatte in einem Brief an den Trierer Bischof Stephan Ackermann die Einteilung der neuen Großpfarreien im Bistum kritisiert. "Was da geplant ist, ist absurd", schreibt König. In der aktuellen Form sei die Reform ein "Schritt zur Abschaffung der Kirche vor Ort", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf Anfrage.

Den Plänen zufolge soll die Ortsgemeinde im Saarland (Landkreis Neunkirchen) zwei Großpfarreien zugeordnet werden. Ein Teil Illingens würde der Großpfarrei Neunkirchen, ein anderer Lebach angehören. König sieht das als "Zersplitterung von Zuständigkeiten" und fordert, die Gemeinde als Ganzes einer neuen Großpfarrei zuzuordnen.

"Derartige Strukturen sind nicht vermittelbar"

Weiter schreibt König: "Derartige Strukturen sind nicht vermittelbar, sie sind auch nicht Zukunft weisend." Säkulare und kirchliche Ebene seien stark vernetzt. Bei der geplanten Teilung der Gemeinde wären künftig zwei Caritasverbände zuständig. Probleme würden sich auch bei den katholischen Kita gGmbH oder der Beantragung von Zuschüssen ergeben, so der Bürgermeister. König spricht sich für eine Zuordnung der ganzen Gemeinde zur neuen Großpfarrei Neunkirchen aus. Dort habe die Gemeinde die meisten Verbindungen, etwa zu anderen Ämtern.

Am liebsten wäre König, der eigenen Angaben zufolge der am längsten amtierende Bürgermeister im Saarland ist, eine eigene Großpfarrei für Illingen und die Nachbargemeinde Eppelborn. Für eine solche Pfarrei sehe er immer noch Chancen. Dem Reformprozess im Bistum steht er insgesamt skeptisch gegenüber und kritisiert die Kommunikation des Bistums in puncto Reform als "geschwurbelt".

Die geplante Pfarreienreform des Bistums sieht vor, dass die 887 Pfarreien und 172 Pfarreiengemeinschaften durch 35 sogenannte Pfarreien der Zukunft ersetzt werden. Am 1. Januar starten davon die ersten 15. Die Großpfarreien Neunkirchen und Lebach sollen ein Jahr später folgen. Die Initiative "Kirchengemeinde vor Ort" hatte wiederholt gegen die Pfarreienreform protestiert und zuletzt eine Befragung von 500 Katholiken im Bistum veröffentlicht, wonach sich 61 Prozent dafür aussprachen, als Kompromiss vorerst bei der aktuellen Struktur von 172 Pfarreiengemeinschaften bleiben zu wollen. Das Bistum Trier kritisierte die Umfrage und sprach von einem "tendenziösen Vorgehen" der Initiative und einer "nicht aussagekräftigen" Art der Befragung. Das Bistum betont, dass es bei den Reformen primär um eine Neuausrichtung des kirchlichen Lebens als Frucht der Diözesansynode (2013-2016) gehe. Neben strukturellen seien vor allem auch die inhaltlichen Neuerungen von Bedeutung. Hierzu hätten mehrere Gruppen bis zum Sommer gearbeitet und Vorschläge vorgelegt. Diese würden im Herbst und Winter beraten und dann in die Umsetzung gebracht. (tmg/KNA)