Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
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Grundlegendes Lebensrecht werde ausgeblendet

ZdK-Präsident Sternberg warnt vor mehr Abtreibungen

Vor einem deutlichen Anstieg von Schwangerschaftsabbrüchen warnt ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Mit Abtreibungen werde nicht nur ein grundlegendes Lebensrecht angetastet, sondern auch ausgeblendet.

Münster - 07.11.2019

Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat vor einer "Normalisierung" von Bluttests auf Trisomie 21 in der pränatalen Diagnostik gewarnt. Die Verfügbarkeit dieses vermeintlich harmlosen Instruments könne am Ende einer selektiven Mentalität den Weg bahnen, sagte Sternberg am Mittwochabend in Münster. Durch die kostenlosen vorgeburtlichen Tests sei mit einem weiteren Anstieg der Abtreibungen von Kindern mit dem sogenannten Down-Syndrom zu rechnen. Nötig sei die Verknüpfung der Durchführung des Tests mit einer vorherigen und im Falle eines positiven Befundes auch mit einer anschließenden unabhängigen psychosozialen Beratung, forderte Sternberg.

Grundlegendes Lebensrecht ausgeblendet

Mit Abtreibungen werde nicht nur ein grundlegendes Lebensrecht angetastet, sondern auch ausgeblendet, dass die meisten Menschen mit dieser Beeinträchtigung ein gutes Leben führen könnten, sagte Sternberg auf einem Ethikforum der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Es dürfe nicht dazu kommen, dass sich Eltern dafür rechtfertigen müssten, "wenn sie diese leicht zugängliche Diagnostik, die keinen therapeutischen Nutzen verspricht, bewusst nicht in Anspruch nehmen", sagte der ZdK-Präsident. Es gebe auch ein Recht auf Nicht-Wissenwollen.

Um Eltern die Entscheidung leichter zu machen, auch ein behindertes Kind zur Welt zu bringen, müsse es auch ein gesellschaftliches Klima geben, in dem Menschen mit Behinderungen willkommen seien, sagte Sternberg: "Wir können doch keine Welt wollen, in der sich nur noch die Klugen, die Schönen und die Selbstoptimierer durchsetzen."

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Kassen hatte Mitte September entschieden, dass Bluttests auf das Down-Syndrom künftig bei Risikoschwangerschaften von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden sollen. Die Kosten sollten nur bei besonderen Risiken oder zur Abklärung von Auffälligkeiten übernommen werden, heißt es. Voraussetzung ist eine ärztliche Beratung. Ein flächendeckendes Screening soll es nicht geben. Entscheidend sei für die Kostenübernahme die "individuelle Situation" der Schwangeren. Die neue Regelung soll 2021 in Kraft treten. Kritik an der Entscheidung hatte es unter anderem von der Deutschen Bischofskonferenz gegeben. (tmg/epd)