Papst Franziskus und eine Holzstatue
Wegen angeblichen Götzendienstes

Konservative Katholiken rufen Papst zu öffentlicher Buße auf

Der Papst habe die "heidnische Göttin Pachamama" angebetet und den Petersdom entweiht: So heißt es in einem Brief mit bislang rund 100 Unterzeichnern. Die Bischöfe weltweit werden darin zu einer "brüderlichen Zurechtweisung" des Pontifex aufgerufen.

Rom - 13.11.2019

Eine Gruppe konservativer Katholiken, unter ihnen Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, hat Papst Franziskus zu öffentlicher Buße wegen angeblichen Götzendienstes aufgerufen. Das Kirchenoberhaupt habe die "heidnische Göttin Pachamama" angebetet und damit die Kirche des Apostels Petrus entweiht, heißt es in einem am Dienstag auf verschiedenen Internetseiten veröffentlichten Brief mit rund 100 Unterzeichnern. Darin werden die Bischöfe weltweit zu einer "brüderlichen Zurechtweisung" des Kirchenoberhaupts aufgerufen; zugleich sollten die Oberhirten die Gläubigen davor warnen, dem Beispiel des Papstes in der Verletzung des ersten alttestamentlichen Gebots zu folgen, weil sie sonst der "ewigen Verdammnis" anheimfielen.

Auslöser der Aktion ist die Amazonas-Synode im Oktober, zu deren Auftakt ein Gebet für die Schöpfung mit indigenen Riten in den vatikanischen Gärten stattfand. Symbole indigener Traditionen waren auch während der Synode und ihrer Gottesdienste zu sehen, unter anderem Holzfiguren einer unbekleideten Schwangeren, die das Leben selbst und seine Zukunft symbolisieren sollten. Konservative Katholiken hatten mehrere "Pachamama"-Statuen aus der römischen Kirche Santa Maria in Transpontina geholt und anschließend in den Tiber gestoßen. Der österreichische Abtreibungsgegner Alexander Tschugguel steckt nach eigener Aussage hinter dem Diebstahl der Figuren.

Müller, Brandmüller, Voderholzer und Eleganti als Gewährsmänner

Die Petition "Gegen die jüngsten Sakrilege" stützt sich darauf, Elemente dieser Zeremonien seien von verschiedenen Kardinälen und Bischöfen als "götzendienerisch und sakrilegisch" verurteilt worden. Als Gewährsleute genannt werden die deutschen Kardinäle Walter Brandmüller und Gerhard Ludwig Müller sowie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Churer Weihbischof Marian Eleganti. Zu den Unterzeichnern zählen laut dem Blog "Stilum Curiae" des früheren Vatikankorrespondenten Marco Tosatti, der deutsche Philosoph Josef Seifert und der emeritierte Freiburger Theologe Hubert Windisch sowie der Priester Stefan Dreher, Hausoberer der Petrusbruderschaft in Stuttgart.

Unterdessen verteidigte der mexikanische Bischof Felipe Arizmendi die Zeremonien in den Vatikanischen Gärten zu Beginn der Amazonas-Synode. Der wiederholte Vorwurf einiger sehr konservativer Katholiken, dort verwendete Rituale und Figuren seien Götzendienst gewesen, stimme schlicht nicht, so Arizmendi in einem Gastbeitrag für die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Mittwoch). Es habe sich um "Symbole amazonischer Lebenswirklichkeit und Erfahrungen" gehandelt. Diese seien zwar "nicht nur kulturell, sondern auch religiös zu verstehen, aber nicht im Sinne einer Anbetung", präzisiert der frühere Bischof von San Cristobal de Las Casas im Süden Mexikos. Ein Aymara in Bolivien habe ihm einmal erklärt: Pachamama (Mutter Erde) und Inti (Vater Sonne) seien Götter "nur für jene Indigene, die nicht evangelisiert worden" seien. Wer evangelisiert sei, der betrachte sie als "beste Gaben Gottes". Im Übrigen sei es eine "große Unverschämtheit, den Papst als Götzendiener zu verurteilen, denn das war er nicht, und er wird es auch nie sein", schreibt der Bischof weiter. (tmg/KNA)