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Standpunkt

Die Kirche und ihre Sucht nach Titeln

Macht der "Doktor" den Bischof zu einem besseren Oberhirten? Oder der "Monsignore" den Pfarrer zu einem besseren Geistlichen? Nein, kommentiert Tobias Glenz – und fragt, weshalb solche Titel inflationär gebraucht werden.

Von Tobias Glenz |  Bonn - 21.11.2019

In dieser Woche hat der Dominikaner Ulrich Engel im katholisch.de-Interview auf ein großes sprachliches Problem unserer Kirche aufmerksam gemacht: Der inflationäre Gebrauch von Titeln – bevorzugt für Kleriker – kann Machtmissbrauch begünstigen. Fest steht: Die Kirche hat eine weite hierarchische Struktur, und diese bringt automatisch eine Vielzahl an Ämterbezeichnungen mit sich. Aber müssen sämtliche Titel und Bezeichnungen immer und überall in den Vordergrund gerückt werden? Man könnte fast meinen, in der Kirche herrsche eine regelrechte Titel-Sucht.

Beispiel: Muss ein Fastenbrief, ein Hirtenwort oder ein geistlicher Impuls mit "Dr. (Dr.) XY – (Erz-)Bischof von XY" unterzeichnet werden? Welches Bild, welches Selbstverständnis wird dadurch vermittelt? Macht der "Dr." den Bischof zu einem besseren Oberhirten? Bringt es den Gläubigen irgendetwas, an dieser Stelle von dessen akademischen Titeln zu erfahren? Ein simples "Ihr Bischof *Vorname*" wäre wohl wesentlich charmanter und näher am Menschen. Wer einen akademischen Grad erworben hat, der hat natürlich auch das Recht, den entsprechenden Titel zu führen. Aber an welcher Stelle dieser erwähnt wird, das sollte wohl überlegt sein. In einer Institution, in der die "Oberen" demütige Diener sein sollten, ist ein inflationärer Gebrauch mindestens fragwürdig, wenn nicht schädlich.

Es ist aber nicht nur ein Problem des Selbstverständnisses, sondern auch der kirchlichen Kommunikation insgesamt: In Mitteilungen aus den Bistümern, Hilfswerken, Verbänden werden die Titel(-ansammlungen) der Akteure nicht selten ganz großgeschrieben und der eigentliche Inhalt hintenangestellt – auch wenn ein veröffentlichendes Medium einen "Dr." oder "Prof." für gewöhnlich rausstreicht. Gleiches gilt etwa für den "Monsignore" und den "Prälaten". Was Papst Franziskus von diesen Ehrentiteln hält, hat er bereits kurz nach seinem Amtsantritt deutlich gemacht und sie weitgehend abgeschafft.

Darüber hinaus: Braucht es tatsächlich Anreden wie "Eminenz", "Exzellenz" oder simpel den "Herrn Pfarrer" – oder gehen damit vielleicht unnötige Überhöhungen der Personen einher? Das Schöne ist: Wie die Kirche mit ihren Titeln umgeht, liegt in der Hand jedes einzelnen Bischofs, Priesters, kirchlichen Mitarbeiters, ja, jedes einzelnen Gläubigen. Es ist an dieser Stelle kein "synodaler Weg" notwendig, um etwas zu ändern. Ein wenig mehr Demut stünde der Kirche sicher gut zu Gesicht – beginnen wir bei unserer Sprache!

Von Tobias Glenz

Der Autor

Tobias Glenz ist Redakteur bei katholisch.de.

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