Papst Franziskus und Bischof Gustavo Zanchetta geben sich die Hand.
Missbrauchsbeschuldigter kehrt nach Argentinien zurück

Wieder da: Bischof Zanchetta will mit Staatsanwaltschaft kooperieren

Die argentinische Justiz ermittelt gegen Kurienbischof Gustavo Zanchetta wegen sexuellen Missbrauchs und Unterschlagung. In der letzten Zeit soll er "unauffindbar" gewesen sein. Doch nun kündigt Zanchetta an, nach Argentinien zu reisen – freiwillig.

Vatikanstadt/Bonn - 25.11.2019

Bischof Gustavo Zanchetta hat angekündigt, bei den Ermittlungen gegen seine Person wegen sexuellen Missbrauchs umfassend mit den Behörden zusammenarbeiten zu wollen. Dafür werde Zanchetta am Dienstag freiwillig in seine Heimat Argentinien zurückkehren, wo die Vorwürfe gegen ihn verfolgt werden, berichtete die Nachrichtenseite "abcNews" am Samstag. Zwei Priesterseminaristen aus der nordargentinischen Diözese Orán, die Zanchetta von 2013 bis 2017 leitete, hatten ihrem ehemaligen Bischof sexuellen Missbrauch vorgeworfen. Zanchetta, der seit Dezember 2017 im Vatikan arbeitet, weist die Vorwürfe zurück.

Zanchetta gilt als Vertrauter des Papstes

Die zuständige Staatsanwaltschaft in Argentinien hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass sie einen internationalen Haftbefehl gegen Zanchetta anstrebe. Er sei während der Ermittlungen weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar und somit unauffindbar gewesen, so die Begründung. Das zuständige Gericht hatte die Ausstellung eines Haftbefehls jedoch abgelehnt. Der Anwalt Zanchettas, Javier Belda Iniesta, betonte laut Medienberichten, es habe "keinen offensichtlichen Grund" für einen Haftbefehl gegeben. Der beschuldigte Bischof habe sich, wie zuvor bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, die ganze Zeit im vatikanischen Gästehaus Santa Marta aufgehalten.

Zanchetta gilt als Freund und Vertrauter von Papst Franziskus. Der argentinische Pontifex hatte Zanchettas Rücktritt 2017 angeblich aus gesundheitlichen Gründen angenommen und ihn im gleichen Jahr auf die neu geschaffene Stelle eines Assessors in der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls im Vatikan berufen. Da derzeit auch ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Bischof läuft, ist er bis auf Weiters von seinen Aufgaben suspendiert. In Argentinien wird Zanchetta zudem die Unterschlagung von 250.000 US-Dollar vorgeworfen. Die Provinzregierung hatte die Restaurierung eines Pfarrhauses und eine Vortragsreihe im Priesterseminar bezuschusst; beide Maßnahmen sollen jedoch nie stattgefunden haben. (rom)