Die ökumenische Maria-Magdalena-Kirche in Freiburg.
Religionspädagoge Trocholepczy über Papst Franziskus und den Eucharistischen Kongress

So geht Glaube

Großveranstaltung - Der Evangelische Kirchentag in Hamburg ist kaum zuende gegangen, da steht schon das nächste Großereignis auf dem Programm, diesmal auf katholischer Seite: der Eucharistische Kongress Anfang Juni in Köln. Das Treffen in der Domstadt versteht sich auch als Teil des von Benedikt XVI. im Oktober ausgerufenen "Jahr des Glaubens". Im Interview nimmt der Frankfurter Religionspädagoge Bernd Trocholepczy eine Standortbestimmung vor und sagt, was er sich vom Eucharistischen Kongress erwartet.

Frankfurt/Main - 13.05.2013

Frage: Herr Trocholepczy, in der Illustrierten "stern" gibt es eine Rubrik mit dem Titel "Was macht eigentlich…?", die sich um Prominente kümmert, um die es in letzter Zeit etwas still geworden ist. Was macht eigentlich das "Jahr des Glaubens"?

Trocholepczy: Die Frage führt aufs falsche Gleis. In Zeiten, die vom hektischen Wechsel der Neuigkeiten und der entsprechenden medialen Resonanz bestimmt sind, tut eine Verlangsamung mitunter gut: "glauben" - verstanden als Tätigkeitswort - kann von der Agenda des Christentums nur um den Preis der Selbstaufgabe verschwinden!

Bernd Trocholepczy
Bild: © KNA

Religionspädagoge Bernd Trocholepczy

Frage: Ausgerufen wurde das Jahr vom damaligen Papst Benedikt XVI. - welche Akzente konnte sein Nachfolger Franziskus bislang setzen?

Trocholepczy: Papst Franziskus spricht immer wieder vom Weg und von der Bewegung, die "glauben" ausmacht. Es geht um die konkrete, handelnde und so bezeugende Ausrichtung der Glaubenden sowohl auf Gott wie auf die konkreten Menschen hin - besonders auf Menschen, die arm und in Notsituationen sind!

Frage: Wie zeigt sich das?

Trocholepczy: Die von Papst Franziskus vorgenommene Fußwaschung in der Gründonnerstagsliturgie, in der die Einsetzung der Eucharistie als das Geheimnis der Kirche gefeiert wird, fand in einer Strafanstalt statt. Das hat mich sehr tief berührt. Es gab keine Fernsehbilder, keine Live-Übertragung, keine massive öffentliche Resonanz; und doch hat er mir ein anschauliches Beispiel gegeben, wie Glaube geht: Der Weg zu den Menschen unserer Zeit führt mich nicht von Gott weg, sondern geradewegs zu dem, der die im gesellschaftlichen Urteil "Geringsten" von seiner Liebe nicht ausschließt.

Frage: Um das Thema Glauben geht es auch bei dem bevorstehenden Eucharistischen Kongress in Köln. Welche Wirkung erwarten Sie von diesem Ereignis?

Trocholepczy: Menschen, die sich als Glaubende verstehen, können sich auf diese Weise ausdrücklich des Glaubens versichern. Diese "Selbstversicherung" kann dann fruchtbar für diejenigen werden, die an diesem wichtigen Ereignis nicht teilnehmen.

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Monsignore Robert Kleine, Generalsekretär des Eucharistischen Kongresses, über die Feiern im Juni in Köln.

Frage: Eine Frage an den Pädagogen und Mediendidaktiker: Wie groß schätzen Sie die Chancen ein, auch jene zu erreichen, die der Kirche fern stehen?

Trocholepczy: Es geht beim Eucharistischen Kongress wie auch im Jahr des Glaubens zunächst um eine mittelbare Wirkung oder besser: Fruchtbarkeit. Wer glaubt, muss sich zunächst des Bodens versichern, auf dem er steht. In der Folge kann sich dann aber zeigen: Wenn "glauben" von Christen als eine bezeugende Tätigkeit im Sinne der "Fußwaschung" realisiert wird, dann bleibt Glaube nicht bei sich. Papst Franziskus beklagte in seiner Ansprache an die Kardinäle einen "theologischen Narzissmus". Auch Glaube, der nicht ausstrahlt, muss sich deshalb fragen lassen, ob er wirklich Glaube ist - oder nur so erscheint.

Frage: Wenn sich Franziskus so vor den Kardinälen äußert: Welche Absichten verfolgt er Ihrer Meinung nach damit - und was könnte das für die Amtsträger der Kirche bedeuten?

Trocholepczy: Der Heilige Geist bewegt: Ich habe den Eindruck, dass es dem Papst genau darum geht; offensichtlich lädt er auch die Amtsträger in diese Bewegtheit gegen alle Tendenzen zur bloßen Beharrung ein. Genau in diesem Sinne könnten - so hoffe ich - auf uns alle bewegte Zeiten zukommen.

Das Interview führte Joachim Heinz (KNA)

Fest des Glaubens

Vom 5. bis 9. Juni findet in Köln der Eucharistische Kongress statt. Unter dem Motto "Herr, zu wem sollen wir gehen?" (Joh 6,68) gibt es unter anderem Gottesdienste, Vorträge und ein Kulturprogramm. Veranstalter ist die Deutsche Bischofskonferenz, Gastgeber das Erzbistum Köln. Katholisch.de präsentiert Hintergründe und aktuelle Informationen zu diesem Fest des Glaubens.