Zwei deutsche katholische Bischöfe beim Gebet.
Pfingst-Predigten der deutschen Bischöfe

Aufruf zu Demut und Solidarität

Pfingsten - Mit feierlichen Gottesdiensten hat die katholische Kirche in Deutschland das Pfingstfest begangen. In ihren Predigten griffen die Bischöfe vielfach gesellschaftliche Probleme und Fehlentwicklungen auf. Sie riefen die Menschen auf, sich neu für die christliche Botschaft und den Heiligen Geist zu öffnen, der Halt und Kraft geben könne.

Bonn - 20.05.2013

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx warnte angesichts jüngster Klonexperimente vor einem Uniformitätsdenken. Durch das Klonen bestehe die Gefahr, "den einen idealen, gesunden, schönen und marktkonformen Menschen zu formen". Dabei sei Uniformität nicht mit Einheit zu verwechseln. Diese bedeute im christlichen Sinne, gerade "die Vielfalt, die Fülle, die Buntheit" der Menschen zu respektieren, so Marx.

Eine "geistige Umweltvergiftung" kritisierte der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Sie lasse "die Herzen der Menschen nicht mehr atmen". Kinder, Jugendliche und Erwachsene lebten heute in einer "Einflusssphäre des unheiligen Geistes", sagte der Kardinal und verwies auf Medien, Theater und Freizeit. Was dort geboten werde, sei nicht immer gut und hilfreich. Christen sollten sich um "die reine und klare Luft des Heiligen Geistes" bemühen.

Zum verantwortlichen Umgang mit dem Internet rief der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick auf. Seine Nutzung könne dazu führen, dass Menschen "offline für den Heiligen Geist und für das zwischenmenschliche Gespräch" gingen. Im Leben gebe es "nicht nur Tweets und Statusmeldungen", so Schick. Für viele drehe sich alles um die Frage, wie viele Freunde sie bei Facebook hätten. Doch wer keine echten Freunde habe, werde einsam.

Nach Worten des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst ist Pfingsten ein Fest des Lebens und ein "Plädoyer für Gottes Initiative in der Welt". Er warnte davor, dass sich der Mensch zum "Macher" erkläre und etwa in der Gentechnik gegen Gottes Schöpfergeist zu verstoßen. Nicht alles lasse sich erforschen und evaluieren.

Aufbruch aus innerweltlicher Erstarrung

Vor einer "Emanzipation von Gott" warnte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen. Viele setzten heute auf die Kunst des Machens, ohne Grenzen zu wahren. Es habe aber fatale Folgen, wenn ein immer dichterer Vorhang vor den Himmel gezogen und die Emanzipation von Gott zum Programm erklärt werde. Dies gehe soweit, "dass wir uns sogar auf grundsätzliche Werte nicht mehr einigen können".

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst sagte, wer sich dem Geist Gottes neu öffne, erfahre Kraft zum Aufbruch aus innerweltlicher Erstarrung. Oft herrsche ein Geist von Willkür und Egomanie, Gier und Habgier. Pfingsten stehe gegen Ausgeliefertsein und Hoffnungslosigkeit.

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um den Heiligen Geist und seine Bedeutung im christlichen Glauben.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker ermunterte die Christen zu gesellschaftlichem Engagement. Die Versuchung, sich im geschützten Raum des Glaubens bequem einzurichten, sei für die Kirche groß. Ein weltfremdes Christsein könne es aber nicht geben. "Wir haben die Wahl, Salz der Erde zu sein, Licht und Sauerteig in unserer Welt, oder als Gesandte an Christi statt zu versagen", so Becker.

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff betonte die Bedeutung der Kirche für das Christsein. Der Slogan "Christus ja, Kirche nein" komme ihm so vor wie "Mozart ja, seine Musik nein", sagte er im Aachener Dom.

Heiliger Geist als "die Hilfe schlechthin"

Derzeit mache die Kirche stürmische Zeiten durch, sagte Essens Bischof Franz-Josef Overbeck. Viele ihrer Traditionen brächen zusammen. Das pfingstliche Feuer könne jedoch reinigen und klären. Die Kirche müsse lernen, dass sie nicht von Traditionen und Gewohnheiten lebe, "sondern von der Liebe Gottes und der Liebe der Menschen untereinander".

Als "die Hilfe schlechthin" bezeichnete der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann den Heiligen Geist. Sein Wirken werde erfahrbar, "wenn Menschen ihr Leben ändern, anfangen zu lieben, Gerechtigkeit und Friede in die Welt tragen".

Zur Solidarität in der Finanzkrise mahnte der Freiburger Weihbischof Bernd Uhl. "Wir Christen sollten alles dafür tun, dass die Völker Europas weiter zusammenwachsen", so Uhl. Dazu gehöre auch, dass man sich in Krisen gegenseitig helfe. Der Frieden in Europa dürfe nicht durch Zurückfallen in alte nationale Denkmuster aufs Spiel gesetzt werden, auch wenn das etwas koste.

"Der Heilige Geist vereint, was in unserer menschlichen Wahrnehmung oftmals als unüberbrückbar und fremd erscheint, unterschiedliche Sprachen, gegensätzliche Mentalitäten und kaum kompatible Lebensgeschichten", sagte Bischof Gregor Maria Hanke. Ohne das Wirken des Geistes Gottes seien die Jünger der Gegenwart ebenso in der Versuchung, "aus der Kirche eine innerweltliche Veranstaltung, eine gesellschaftliche Einrichtung zu machen wie die Jünger zurzeit Jesu".

Bischof Karl-Heinz Wiesemann kritisierte, dass mit dem amerikanischen Klon-Experiment ein ethisches Tabu durchbrochen worden sei. "Der Forschergeist, der keine Werte kennt, ist eine Zerrform des Geistes", wandte sich Bischof Wiesemann gegen diese "zerstörerische, kalte und sinnlose Form" der Wissenschaft. Demgegenüber bezeuge die Heilige Schrift den Geist als die innerste, in der Schöpfung wirkende Kraft, als den "Lebensatem", der den Menschen eingehaucht wird und ihnen Lebensfreude und Lebensfülle gibt.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen hat zur Wachsamkeit vor gesellschaftlichen Fehlentwicklungen aufgerufen. "Es stimmt nicht mit dem Willen Gottes überein, wenn wir aus Deutschland Waffen in Krisengebiete der Erde liefern", so Thissen. "Es stimmt nicht mit dem Willen Gottes überein, wenn Embryonen erzeugt und zerstört werden für reproduktives Klonen, an dessen Ende, wenn auch in Zukunft, geklonte Menschen stehen können", kritisierte Thissen. (meu/KNA)

Große Feier in Rom

Papst Franziskus hat die Pfingstmesse am Sonntag auf dem restlos von einer Menschenmenge gefüllten Petersplatz gefeiert. In seiner Predigt rief er Vertreter von neuen geistlichen Bewegungen zur "Kirchlichkeit" unter Leitung der Bischöfe auf. Der Papst sagte, dass "Parallelwege gefährlich" seien; sie könnten letztlich zu Spaltungen führen.