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"Schön, dass ihr da seid!" - Über liturgische Offenheit zu Weihnachten

Weihnachten ist immer etwas Besonderes - in Peter Ottens Gemeinde wird es aber auch auf besondere Weise gefeiert. Da kommen Bänke raus und Teppiche werden ausgerollt. Denn zur Geburtstagsfeier des Herrn sind ganz verschiedene Menschen eingeladen.

Von Peter Otten |  Bonn - 27.12.2019

Der überwältigendste Moment an Weihnachten? Vielleicht: als 1500 Menschen in der Agneskirche ganz still wurden, als wir ganz leise in das Stimmengewirr hinein kurz vor Beginn "Maria durch ein Dornwald ging" zu singen begangen. Und bald alle mitsangen. Denn in diesem Lied wird die Weihnachtsbotschaft ja auf so wunderbare Weise auf den Punkt gebracht, dass sie wohl jedes Herz erreicht: Als das Kind durch den dunklen Wald getragen wird, tragen die Dornen Rosen. Die Geburt eines Kindes verändert die ganze Welt.

Der Weihnachtsgottesdienst am frühen Abend in der Agneskirche ist für mich persönlich inzwischen wahrscheinlich der schönste Gottesdienst im ganzen Jahr. Weil in diesem Gottesdienst viel von einer Haltung deutlich wird, die die Kirche immer noch sehr bedeutsam macht: Offenheit. In der Agneskirche wird ein Teil der Bänke weggeräumt. Es werden Teppiche ausgelegt, damit es alle bequem haben. Gute Technik sorgt dafür, dass die Texte und Lieder überall gut gehört werden. Wir sagen: "Schön, dass ihr da seid!" und die Menschen merken das auch. Es gibt keine Belehrungen und langatmigen Erklärungen. Die Fluchtwege werden gezeigt. Und wie schnell die Türen aufgehen. Das wars. Nach dem Krippenspiel machen wir eine Pause. Alle Menschen mit kleinen Kindern können dann in Ruhe nach Hause gehen. Das finden sie super. Sie bedanken sich. Und nach fünf Minuten feiern wir mit 750 Menschen einfach weiter die Eucharistie.

Einige Jahre machen wir das schon so. Und ich bin überzeugt: Auch wegen dieser Offenheit trägt die ganze Feier. So dass all die wunderbaren Weihnachtsbotschaften ankommen: Der muffelige Herbergswirt, dessen Herz vom Kind verwandelt wird. Die Engel, die davon singen, dass die Menschen keine Angst zu haben brauchen. Gott, der in der Welt zur Welt kommt. Die ja keine Kirchenwelt ist, sondern die offene grenzenlose Welt der Menschen. Die an diesem Abend in der Kirche sitzen und auf dem Boden hocken – und staunen. Berührt und bewegt.

Auch 2020 werden wir wieder viel über die Wirksamkeit der Kirche debattieren. Eine Haltung weihnachtlicher Offenheit wäre da schon mal ein schöner Anfang. Denn die weiß nicht alles besser. Sondern ist neugierig und staunt, wo Gott überall zur Welt kommt.

Von Peter Otten

Der Autor

Peter Otten ist Pastoralreferent in der Pfarrgemeinde St. Agnes in Köln. Seit einigen Jahren bloggt er unter www.theosalon.de.

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