Pater Ansgar Wucherpfennig im Portrait
Keine Kirche habe alleinige Macht über "Gottes-Nahrung"

Wucherpfennig: Kommuniongemeinschaft müsste es seit vorgestern geben

Nach dem Evangelium müssten katholische und evangelische Christen "eigentlich schon seit vorgestern gemeinsam Abendmahl feiern", sagt der Jesuit Ansgar Wucherpfennig. Er warnt: Keine Kirche könne die alleinige Macht über diese Speise beanspruchen.

Leipzig/Frankfurt - 10.01.2020

Der katholische Theologe und Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig setzt sich für ein gemeinsames Abendmahl/Eucharistie von Katholiken und Protestanten ein. "Nach dem Evangelium müssten evangelische und katholische Christen nicht erst morgen, sondern eigentlich schon seit vorgestern gemeinsam Abendmahl feiern", schreibt der Frankfurter Hochschulrektor in einem Gastkommentar für die sächsische Kirchenzeitung "Der Sonntag".

Keine Kirche habe alleinige Macht über diese Speise

Er hält ein gemeinsames Abendmahl theologisch für möglich. Beim Mahl mit Jesus gebe Gott, ohne dafür etwas wiederzuverlangen, schreibt Wucherpfennig. Menschen könnten diese "Gottes-Nahrung" nicht geben. "Das bedeutet aber auch, dass keine Kirche alleinige Macht über diese Speise beanspruchen kann", schreibt er. Das Brot vom Himmel könne auch niemand billig abgreifen. Es sei ein Geschenk: "Gottes kostbare Gemeinschaft gratis für alle, die sie annehmen", heißt es weiter in dem Kommentar.

Ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten ist eine zentrale Frage der Ökumene. Ein kürzlich veröffentlichtes Arbeitspapier des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen kommt zu dem Schluss, dass es keine theologischen Gründe gibt, die jeweils andere Konfession vom Abendmahl auszuschließen. Die Theologinnen und Theologen sprechen sich daher für eine wechselseitige Teilnahme am Abendmahl der jeweils anderen Konfession aus - ein Schritt hin zu einer gemeinsamen Abendmahlsfeier.

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige warnte vor zu hohen Erwartungen an den Vorstoß der deutschen Theologen. "Die dort formulierten Übereinstimmungen entsprechen noch nicht unbedingt der Wirklichkeit der kirchlichen Praxis", sagte der Ökumene-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwochabend in Erfurt. Er sehe die Gefahr, so Feige, dass die "durchaus kenntnisreiche und hoch intelligente" Studie gerade mit Blick auf den bevorstehenden 3. Ökumenischen Kirchentag 2021 eine Eigendynamik entwickele und "dann ein Druck im Kessel entsteht, der in der kurzen Zeit nicht theologisch aufgearbeitet werden kann".

Der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, war im Herbst 2018 in die Schlagzeilen geraten, weil ihm der Vatikan wegen seiner liberalen Lehren eine Unbedenklichkeitserklärung nach seiner Wiederwahl zum Rektor verweigert hatte. Er hatte sich in Zeitungsinterviews positiv zur Frage des Diakonats der Frau und zur Segnung homosexueller Paare geäußert. Der Vatikan hatte ihm schließlich doch im November 2018 das "Nihil obstat" gegeben. So konnte Wucherpfennig Rektor der Hochschule bleiben. Er lehrt auch als Professor für Neues Testament. (tmg/epd)