Nach Homophobie-Verdacht: Fakultät setzt Kurs von Theologin aus
Dozentin hatte Homosexualität als "krank" bezeichnet

Nach Homophobie-Verdacht: Fakultät setzt Kurs von Theologin aus

Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass in Fribourg eine Theologie-Dozentin Homosexualität als "krank" bezeichnet haben soll. Nun wurde ihr Kurs zu "Christlicher Sexualethik" ausgesetzt. Doch die Theologin kann weiterhin an der Fakultät lehren.

Fribourg - 10.01.2020

Die Theologische Fakultät der Universität Fribourg hat den Kurs einer Dozentin ausgesetzt, nachdem sie im Herbst 2019 der Homophobie beschuldigt worden war. Das Rektorat sei zwar zu dem Schluss gekommen, dass der Verdacht der Homophobie nicht eindeutig erwiesen sei, berichtete "Vatican News" am Donnerstag. "Einige von der Lehrperson gesprochene Worte" seien jedoch umstritten, teilte die Leitung der Universität demnach mit.

Man habe mit allen sechs Studierenden des Kurses gesprochen, zitieren Medien den Dekan der Theologischen Fakultät, Mariano Delgado. Einige hätten sich an den Aussagen der Dozentin gestört, andere nicht. Die Universität bestrafe die Dozentin daher nicht, sondern habe beschlossen, ihren Kurs zu "Christlicher Sexualethik" für das kommende Semester zu suspendieren. Die Studierenden der zweisprachigen Universität können stattdessen einen Kurs zur Sexual- und Familienethik auf Französisch besuchen. Delgado gab an, dass die Theologin weiterhin an der Fakultät arbeiten könne. Allerdings müsse sie sich mit anderen Themen beschäftigen.

Auch Unterstützung für umstrittene Theologin

Die Theologin hatte durch eine Online-Petition mit dem Titel "Für die Meinungsfreiheit an der Universität Fribourg" Unterstützung erhalten. "In der Theologie muss ein Professor in der Lage sein, einen Kurs zu geben, der die offizielle Position der Kirche zu all diesen Themen darlegt", heißt es in dem Aufruf aus dem vergangenen Jahr, den bisher mehr als 420 Personen unterschrieben haben. Die Unterzeichner kritisieren eine "externe Lobby", die der kirchlichen Lehre widerspreche und versuche, entsprechend Lehrende "mundtot" zu machen.

2019 hatte ein anonymer Beitrag in der Studierenden-Zeitschrift "Spectrum" die Theologin der Homophobie bezichtigt. Im Jahr 2017 habe sie in einer Vorlesung über Sexualethik Homosexualität als "krank" bezeichnet und Einrichtungen empfohlen, die Konversionstherapien an Schwulen und Lesben durchführen. Die Theologische Fakultät hatte eine "gründliche Untersuchung" angekündigt. (rom)