Ein Taufbecken
Historiker erkennt jahrhundertealte Steinmetzarbeit

Blumentopf entpuppt sich als mittelalterliches Taufbecken

Zufallsfund im Pfarrgarten: Eigentlich wollte der Historiker Jeff Klotz nur vor Ort für den Kirchenführer recherchieren. Doch dann zeigte man ihm einen "besonderen" Blumenkübel. Klotz war sofort klar, dass er etwas ganz anderes vor sich hatte.

Birkenfeld-Gräfenhausen - 16.01.2020

Durch Zufall hat der Historiker Jeff Klotz das mittelalterliche Taufbecken der evangelischen Michaelskirche im baden-württembergischen Birkenfeld-Gräfenhausen entdeckt. Bei einem Ortstermin für die Recherche des neuen Kirchenführers habe der Pfarrer der Michaelskirche ihm einen "besonderen" Blumenkübel im Pfarrgarten gezeigt, berichten die "Badischen Neuesten Nachrichten" am Mittwoch. Darin habe der Historiker direkt eine mittelalterliche Steinmetzarbeit erkannt.

Clemens Kieser von der Denkmalbehörde in Karlsruhe konnte Klotz' Vermutung bestätigen: Bei dem Blumentopf handelte es sich um ein romanisches Taufbecken. Darauf deutete neben der Bearbeitung des Beckens auch dessen achteckige Form. Die Acht steht im Christentum für die Auferstehung Christi und für den Neuanfang, da Jesus am Tag nach dem Sabbat – dem ersten Tag der neuen Woche oder eben dem "achten Tag" – von den Toten auferstanden ist (Mt 28,1). Weil sich die Gläubigen im Sakrament der Taufe in die Gemeinschaft mit Jesus Christus begeben und symbolhaft mit ihm sterben und auferstehen, sind Baptisterien und Taufbecken häufig achteckig gestaltet.

Auch was das Alter des Beckens angeht, ließ sich eine Aussage treffen: Er stammt wohl noch aus dem Ursprungsbau der 1108 gestifteten Michaelskirche. Das Gotteshaus wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, sodass heute nur der Turmstumpf von der romanischen Vorgängerkirche zeugt. Anfang des 16. Jahrhunderts bekam das Gotteshaus auch ein neues, spätgotisches Taufbecken, das den kleineren Vorgänger ablöste. Erstaunlich ist, dass das alte Taufbecken nicht anderweitig verbaut oder verwendet wurde, sondern gut 500 Jahre im Pfarrgarten überdauerte – letztlich eben als Blumentopf. Nach seiner Entdeckung soll das gereinigte Taufbecken nun wieder einen Platz in der Kirche finden. (cst)