Theologin: Kirchliche Konflikte eher kulturell als religiös
"Gut katholisch" wäre ein Austausch mit dem Leben

Theologin: Kirchliche Konflikte eher kulturell als religiös

In der Kirche ist viel Zeitgeist zu finden, sagt die Erfurter Theologin Julia Knop. Deshalb müsse über Konflikte in der Kirche mit dem Bewusstsein gesprochen werden, dass Veränderungsprozesse dem Katholizismus nicht fremd seien.

Köln - 25.01.2020

Für die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop sind die Debatten um Beziehungs- und Geschlechterfragen in der katholischen Kirche und darüber hinaus "eher kulturelle und politische Konflikte als religiöse". Im Interview des Kölner Portals domradio.de (Samstag) sagte die Theologin: "Es geht letztlich um Modernisierungsprozesse, darum, ob man im 21. Jahrhundert ankommen will oder ob man sich im Affront gegen die zeitgenössische Gesellschaft aufstellen will."

Knops Ansicht nach wäre es "gut katholisch", wenn sich im engen Austausch "mit dem Leben, den Kulturen, den Wissenschaften" darangesetzt werde, das traditionelle katholische Verständnis von Sexualität, Ehe und Familie weiterzuentwickeln. "Das ist dem Katholizismus nicht fremd - wir tragen kirchlich jede Menge Zeitgeistiges mit uns, das bisweilen ganz unhistorisch als ewige Wahrheit verkauft wird", sagte die Autorin, deren Buch "Beziehungsweise: Theologie der Ehe, Partnerschaft und Familie" im November erschienen ist.

Nichts in die Natur "hineinlesen"

"Ich meine, wenn wir heute sinnvoll und verständlich über Liebe reden wollen, dann müssen wir zuerst über menschliche Beziehungen reden, nicht über Biologie", so Knop, die vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Mitglied der Synodalversammlung beim Reformdialog der katholischen Kirche benannt wurde. Wenn es um Geschlechterfragen ginge, solle man nichts "in die Natur hineinlesen, was im Leben von Frauen und Männern nicht gedeckt ist".

Mit dem Reformdialog Synodaler Weg wollen Bischöfe und Laienvertreter unter anderem nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Die vier Foren widmen sich den Schwerpunktthemen Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie Rolle von Frauen in der Kirche. In der kommenden Woche tagt erstmals die Synodalversammlung. Das Treffen der rund 230 Delegierten wird am 30. Januar mit einem Gottesdienst im Frankfurter Bartholomäus-Dom eröffnet. Die Sitzungen selbst finden im nahe gelegenen Dominikanerkloster statt. (KNA)