Der Görlitzer Dompropst Hubertus Zomack vor der Kathedrale St. Jakobus, die 2013 umfassend saniert wird.
Die Görlitzer Jakobus-Kathedrale wird umfassend saniert

Einsatz gegen Ermüdungsrisse

Architektur - Nächstes Jahr werden an der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus die Gerüste abgebaut. Dann soll die Beseitigung der letzten Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg sowie von Umweltschäden aus der DDR-Zeit abgeschlossen sein. Das sagte der Dompropst der Diözese Görlitz, Prälat Hubertus Zomack, am Mittwoch vor Journalisten in der Neiße-Stadt.

Görlitz - 13.06.2013

Bei der Sanierung werden die Backsteinfassade, der Turm und die Dächer der Kathedrale umfassend renoviert. Die ursprüngliche Dachform einschließlich der neugotischen Gauben wird wiederhergestellt, damit das Dach wieder stabiler und damit sturmfest wird. Zudem bekommt es wieder einen Fries aus farbigen Dachziegeln.

Während des Zweiten Weltkriegs war die damalige Pfarrkirche St. Jakobus durch Fliegerbomben und Artilleriebeschuss schwer beschädigt worden. Das Dach und alle Fenster waren fast vollkommen zerstört. "Aufgrund von Materialmangel konnte das Gotteshaus nach dem Krieg nur vereinfacht repariert werden. Das ging damals halt nicht anders", so Zomack. Bei diesen behelfsmäßigen Reparaturen wurden unwissentlich zahlreiche Mängel eingebaut. Diese Mängel werden jetzt behoben.

Heftige Umweltverschmutzung aus der DDR-Zeit

Zudem leidet die Görlitzer Kathedrale noch immer unter den Auswirkungen der DDR-Zeit. Die Umweltverschmutzung hat dem Gebäude zugesetzt. Drei Braunkohlekraftwerke haben früher in unmittelbarer Umgebung die Luft verpestet. Schwefelsaure Luft, Salzbelastung und die Rauchbelastung des nahegelegenen Bahnhofs haben ihre Spuren an der Fassade hinterlassen. Durch angegriffene Fugen ist jahrzehntelang Wasser in das Mauerwerk eingedrungen. Diese Schäden an den sichtbaren Ziegeln und Mörtelfugen werden jetzt behoben, damit das dahinterliegende Mauerwerk trocknen kann.

Eine ganz besondere Baustelle ist der Turm der Kirche. "Während des Krieges war der Kirchturm von den Granaten bis unten aufgeschlitzt worden", sagte Dompropst Zomack. "Beim Wiederaufbau im Jahr 1947 sind dann die Ecktürme abgenommen worden, um mit diesen Ziegeln die Lücken im Turm schließen zu können. Jetzt kommen die Ecktürmchen wieder an den Turm und sollen das Turmdach ebenfalls stabiler machen.

St. Jakobus in Görlitz ist die östlichste Bischofskirche in Deutschland.
Bild: © KNA

St. Jakobus in Görlitz ist die östlichste Bischofskirche in Deutschland.

Zwei neue Glocken für die Kathedrale

Michael Gürlach ist froh, dass noch ein weiterer Missstand im Turm der Jakobus-Kirche behoben wird. "Die Görlitzer Kathedrale ist die einzige in Deutschland, die nur vier Glocken hat", erklärt der Glockensachverständige des Bistums Görlitz. "Jetzt kommen zwei neue Glocken dazu", sagte Gürlach. Die neue Hedwigsglocke wird rund 550 Kilogramm wiegen. Daneben wird eine kleinere Glocke mit dem Namen der Seligen Hildegard Burjan hängen.

Doch erst einmal müssen auch die vier Glocken raus aus dem Glockenstuhl, die jetzt im Turm hängen. "Nächste Woche werden die Glocken abgelassen, dann wird in die Turmstube ein neuer Glockenstuhl aus Eichenholz eingebaut", so Michael Gürlach. Die Sanierung des Glockenstuhls ist auch dringend nötig. 2011 mussten die Glocken außer Betrieb genommen werden, weil an den tragenden Konstruktionen von zwei Glocken Ermüdungsrisse festgestellt worden waren. Erst nach einer schrittweisen Reparatur konnten 2012 die Glocken wieder läuten.

Sanierungskosten von 3,3 Millionen Euro

140.000 Euro wird jetzt der Umbau des Glockenstuhls, der Läutetechnik und der Guss der neuen Glocken kosten. Die Finanzierung bestreiten das Domkapitel, die Pfarrgemeinde und die Diözese Görlitz aus eigenen Mitteln und Spenden. Die Sanierung von Turm, Dach und Fassade wird insgesamt rund 3,3 Millionen Euro kosten. Der Bund und der Freistaat Sachsen beteiligen sich mit rund 1,9 Millionen Euro an den Kosten, die Stadt Görlitz trägt 290.000 Euro, 1,1 Millionen Euro bezahlen die Diözese und die Pfarrgemeinde.

Die Görlitzer Kathedrale ist ursprünglich nicht als Kathedrale gebaut worden. Errichtet wurde sie im Jahr 1900 als Filialkirche der Görlitzer Pfarrkirche Hl. Kreuz, wenig später wurde sie Pfarrkirche der neu erichteten Pfarrei St. Jakobus. Görlitz gehörte damals zum Erzbistum Breslau. Nach dem Krieg wurden Kapitelsvikar Ferdinand Piontek und das Domkapitel aus Breslau vertrieben. In Görlitz errichteten sie das "Erzbischöfliche Amt". Erst 1972 wurde das westlich von Oder und Neiße gelegene Gebiet des Erzbistums Breslau offiziell durch den Vatikan zur "Apostlischen Admistratur" erhoben. Seitdem war die Pfarrkirche St. Jakobus die sogenannte Prokathedrale. Seit der Erhebung zum Bistum im Jahr 1994 ist die Jakobus-Kirche ganz offiziell die östlichste Kathedrale Deutschlands.

Von Markus Kremser