Bischof Robert Barron, Weihbischof im Erzbistum Los Angeles
Bild: © Word on Fire
Gegen Hass und Spaltung

Bischof fordert Aufsicht über katholische Social-Media-Nutzer

Hass im Netz – das gibt es leider auch unter Katholiken. Und gelegentlich berufen sie sich dabei sogar auf die Lehre der Kirche. Damit das anders wird, schlägt der Bischof und Social-Media-Experte Robert Barron nun einen radikalen Schritt vor.

Los Angeles - 30.01.2020

Bischof Robert Barron spricht sich für eine strengere bischöfliche Aufsicht über katholische Social-Media-Nutzer aus. Der Weihbischof von Los Angeles schlug gegenüber der Zeitung "National Catholic Register" eine "stärkere Ausübung bischöflicher Autorität in der digitalen Sphäre" vor, "so wie Johannes Paul II. in der Apostolischen Konstitution Ex Corde Ecclesiae eine strengere Aufsicht durch die Bischöfe für kirchliche Hochschulen gefordert hat". Dafür könne "so etwas wie ein 'mandatum'" eingeführt werden für Menschen, die sich online darauf berufen, den katholischen Glauben zu lehren. Mit einer derartigen kirchlichen Beauftragung würden Bischöfe bestätigen, dass diese Social-Media-Nutzer "in voller Gemeinschaft mit der Kirche" verkündigten.

Barron begründet seine Forderung mit der Beobachtung hasserfüllter Äußerungen im Netz, die sich auf die Kirche und ihre Lehre berufen: "Es gibt eine beunruhigende Menge an Menschen, die sich in den sozialen Medien voller Hass und spaltend äußern." Oft stünden diese Äußerungen in tiefem Widerspruch zur Theologie der Kirche. "Die Hirten der Kirche, die mit der Aufsicht über die Verkündigung betraut sind, können und sollen aufzeigen, wenn Menschen in den sozialen Medien der Gemeinschaft der Kirche Schaden zufügen", so Barron. Der Extremismus einer Seite stachle den der Gegenseite an. Spaltungen in der Kirche seien durch Social Media verschärft worden. Das sei ein Skandal, der Menschen davon abhalte, das Evangelium anzunehmen.

Social-Media-Guidelines für Kirchenmitarbeiter

Mit dem Begriff "mandatum" bezieht sich Barron auf das Kirchenrecht, das in can. 812 CIC regelt, dass es für die Lehre einer theologischen Disziplin an einer Hochschule einen Auftrag ("mandatum") der zuständigen kirchlichen Autorität bedarf. In der von Barron angesprochenen Konstitution über die katholischen Universitäten hatte Johannes Paul II. betont, dass Hochschullehrer "die katholische Lehre und die katholische Sittenordnung [...] getreu anzunehmen" haben und dem Lehramt "als dem authentischen Interpreten von Schrift und Überlieferung" treu sein müssen.

In Deutschland haben einige Bistümer Social-Media-Richtlinien für ihre Mitarbeiter erlassen. Bereits 2012 hatte die Deutsche Bischofskonferenz ein unverbindliches Muster für Social-Media-Guidelines veröffentlicht. Darin werden Mitarbeiter der Kirche ermutigt, in den sozialen Medien "menschliches Antlitz der Kirche" und "Zeugen des Glaubens" zu sein.

Robert Barron ist seit 2015 Weihbischof in der Erzdiözese Los Angeles. Der vormalige Chicagoer Diözesanpriester gründete 2000 die Organisation "Word on Fire", die sich der Verkündigung durch Filme und digitale Medien widmet. Mit insgesamt fast zwei Millionen Followern auf Facebook, YouTube und Twitter gehört Barron zu den reichweitenstärksten Bischöfen in den sozialen Medien. (fxn)